Der Verkehr in Ulan-Ude läuft in vielerlei Hinsicht etwas anders als nach westeuropäischem Standart. Einerseits muss da sicher die für mein Empfinden chaotische ungeordnete Situation auf den Strassen genannt werden. Nach Markierungen sucht man meist vergeblich, Vortrittsschilder gibt es eigentlich nicht, sondern man ordnet sich einfach irgendwie in den Verkehr ein, wie es halt gerade geht. Gleiches gilt auch für die Fussgänger, welche sich meist irgendwie über die vielbefahrenen Strassen schlängeln, da Fussgängerstreifen zwar existieren, aber äusserst rar sind.
Der öffentliche Verkehr läuft einerseits über eine Strassenbahnlinie, welche das wohl bequemste und schnellste Verkehrsmittel in der Stadt ist. Man besteigt die Bahn und zahlt pro Weg 8 Rubel, egal wohin die Fahrt genau geht. Dies ist für uns an Tarifzonenpläne gewohnte Schweizer natürlich ungewohnt, erleichtert das ganze jedoch erheblich. Soviel ich bis jetzt weiss, gibt es nur eine Linie entlang der Hauptverkehrsachse.
Der restliche Verkehr verläuft grösstenteils mit Marschrutkas - Kleinbussen, die als Sammeltaxis funktioniern. Sie haben eine bestimmte Nummer und Linie, die sie abfahren. Man wartet auf sie an bestimmten Haltepunkten und macht auf seinen Einsteigewunsch mit Handzeichen aufmerksam. Nach dem Einstieg in den engen Passagierraum bezahlt man dem Fahrer 12 Rubel. Wenn man zu hinterst sitzt, muss man das Geld zuerst durch andere Fahrgäste nach vorne reichen lassen, was mit einer grossen Selbstverständlichkeit geschieht. Will man aussteigen, so muss man den Fahrer durch Rufen darauf aufmerksam machen.
Ich bin nun bereits mehrere Male damit gefahren, und erlebte die Fahrt bis jetzt immer als relativ mühsam und belastend. Nicht, weil mich die vielen Schlaglöcher irgendwie aus der Ruhe bringen konnten - daran gewöhnt man sich schnell. Das belastende an der ganzen Situation ist für mich die die enge des Fahrgastraumes und die dadurch bedingte Nähe zwischen den verschiedenen Mitfahrenden. Ich werde dabei durch mein noch ungeübtes Verhalten schnell als Fremder oder Ausländer erkannt, was mir manchmal das Gefühl gibt, wie ein Fremdkörper zu wirken. Dieses Gefühl ist relativ unangenehm und in mir kommt dabei jeweils der Wunsch auf, auch wie die anderen zu sein, perfekt russisch sprechen zu können und bereits mit dem russischen Leben vertraut zu sein. Die Marschrutkas sind der Ort, wo mir am meisten bewusst wird, wie fremd mir diese Stadt, das Land und die Sprache noch sind, was mir schon ein wenig zu schaffen macht. Eigentlich ist diese Situation aber sehr natürlich und logisch. Ich kann mich nicht von einem Tag auf den anderen perfekt aklimatisieren - das schafft keiner, auch wenn ich diesen Wunsch insgeheim hege.
Vielmehr muss mir bewusst werden, dass ich diese Konflikte und unangenehmen Situationen als Herausforderung annehmen muss, um einerseits menschlich stärker zu werden und mich andererseits der hiesigen Kultur schneller anzunähern. Ich muss mir bewusst sein, dass ich momentan noch ganz klar als Fremdkörper durch die Stadt laufe und auch schnell als solcher erkennbar bin. Ich möchte jedoch im Laufe meines Aufenthaltes erreichen, dass ich mich nicht mehr als Fremder fühlen muss, auch wenn ich es immer zumindest ein wenig bleibe.
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2 Kommentare:
hey,
kuhle blog ;)
chöntsch du echt mal bilder ufelade? das würd mi echt mega wunder neh ^^
enjoy your stay in siberia.
en schöne
ey gseesch de toni da findet au do söllsch bilder ufelade!
aha!
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