Dienstag, 30. Dezember 2008

С новым годом!


Ein ungewoehnliches Jahr endet passend dazu an einem eher ungewohnlichen Ort. Zum ersten Jahr werde ich das neue Jahr ohne meine Familie oder Freunde beginnen. Niemand wird mir "En guete Rutsch" zurufen, stattdessen wird mir mit "С новым годом!" zum Jahreswechsel Glueck gewuenscht werden. Dieses Detail macht mir jedoch gar nichts aus, ich konnte das buenzlige "rutsch guet!" noch nie ausstehen. Morgen werde ich wohl mit meiner Gastfamilie auf den Sowjetplatz gehen, und dort den Neujahrsabend zwischen den wunderschoenen Eisfiguren und der grossen Weihnachtstanne einlaeuten. Danach gibts zu Hause ein grosses Festessen mit hoffentlich viel Champagner und anderen Koestlichkeiten vor der kleinen geschmueckten Tanne, welche als postsowjetisches Relikt auf die ehemaligen religionsfreien Jahre der Vergangenheit hinweist - damals verlegte man die weihnachtlichen Rahmenelemte auf den Neujahrsabend. Und danach mal schauen, was die Nacht noch so alles bringen wird. Amuesant wirds sicher!

Ich wuensche euch allen bereits im Voraus einen fantastischen Silvesterabend! Moegen moeglichst viele eurer Neujahrswuensche in Erfuellung gehen.

С новым годом!

Montag, 29. Dezember 2008

Zurückschauen.

In 2 Tagen und einigen Stunden werden wir mit knallenden Champagnerkorken und Farbexplosionen am Himmel ein neues Jahr wuerdig begruessen. Fuer viele ist Neujahr ein kleiner Neuanfang, man nimmt sich gute Vorsaetze, will sein Verhalten moeglicherweise verbessern und hofft, dass auch alle Wuensche in Erfuellung gehen werden.
Vor diesem kleinen Neuanfang nehmen sich viele die Zeit, auf die vergangenen 12 Monate zurueckzublicken, was auch ich an dieser Stelle tun moechte.
2008 war fuer mich kein gewoehnliches Jahr, es war wie kein anderes Jahr zuvor von extrem vielen Wechseln und Neuerungen durchzogen. Von Konstantheit konnte selten die Rede sein.

Ich wurde erwachsen - zumindest auf dem Papier. Ich eroberte mit meinen Fahrkuensten mehr oder weniger erfolgreich die Autobahnen dieser Welt, von einem geplatzten Reifen mal abgesehen. Ich war eine Zeit lang verliebt und stiess dabei auch endlich einmal auf Gegenliebe. Ich schloss nach 12 Jahren endlich meine Schulzeit ab und war damit bereit, um in die grosse weite Welt hinauszutreten, wie es unser Sportlehrer treffend ausdrueckte, als er uns nach erhaltenem Maturzeugnis auf dem Schulgelaende "erwischte". Ich erlebte im Sommer unbeschreiblich schoene Konzerte - allen voran natuerlich mit Sigur Ros. Ich gab mich auch ein wenig dem Exzess hin - vielleicht ein bisschen zu oft, was mir morgens jeweils mein verkaterter Kopf in Erinnerung rief. Ich schloss neue Freundschaften und erlebte mit diesen Menschen wunderbare Stunden.

Soviel zu den ersten 9 Monaten dieses Jahres. Danach begann fuer mich die wohl speziellste Zeit meines Lebens. Ich wagte den Schritt von der vertrauten Heimat in eine mir ziemlich unbekannte fremde Welt. Aus einer durch Spass und Konsum gepraegten Umwelt befoerderte mich ein Flugzeug in eine Welt mit einer fremden Sprache und Kultur. Anfangs war alles neu fuer mich, tagtaeglich prasselten die Eindruecke wie ein Hagelsturm auf mich nieder, vor dem ich mich gerne bei einer mir vertrauten Person ab und zu in Sicherheit gebracht haette. Aber da war niemand. Nach meinem doch ziemlich sozialen Alltagsleben in der Schweiz fand ich mich ploetzlich in einer ziemlich isolierten Situation wieder, was mir in den ersten paar Wochen doch einiges zu denken gab. Ich hatte viel Zeit, um ueber mich und das Leben nachzudenken. Wahrscheinlich wurde ich dadurch persoenlich auch ein wenig staerker und reifer. Dennoch war ich froh, als sich nach den ersten zwei drei Wochen endlich ein Ende dieser Eiszeit anbahnte.
Darauf folgten zwei wunderschoene Monate mit extrem vielen neuen Bekanntschaften, und wohl auch einigen Freundschaften. Zu merken, wie sich mein Russisch ziemlich verbesserte, befriedigte mich sehr. Und zu spueren, wie sehr die Begegnung mit einem deutsprachigen Auslaender gewisse jungen Menschen freut, machte mich ebenfalls sehr gluecklich. Ich merkte auch, dass man gar keine Gefahr eingeht, wenn man offen auf fremde Menschen zugeht, wie ich es frueher kaum wagte.
Jetzt, wo das Ende meiner Zeit hier naht, macht sich langsam ein starkes Heimweh bemerkbar. Irgendwie ist mein Platz auf dieser Welt eben doch in der Schweiz, ich kann zwar hier relativ problemlos fuer laengere Zeit leben, aber der Boden, in dem ich meine Wurzeln schlagen kann, liegt wohl doch in meiner Heimat. Vor meiner Abfahrt war mir das viel weniger bewusst, man merkt oft erst, wie wichtig etwas war, wenn man es nicht mehr in seiner Naehe hat. Trotzdem war die Entscheidung, hierher zu kommen absolut richtig. Sie hat mich persoenlich ein grosses Stueck vorangebracht und mir auch klar gemacht, dass man ein Land und sein Volk erst zu verstehen lernt, wenn man darin eine Weile lebt. Klar gab es auch viele schwierige Momente, und manchmal fragte ich mich, was ich denn hier zu suchen habe, aber schlussendlich war es doch das Richtige fuer mich.
Surfen in Australien kann ich auch sonst einmal, und Parties gibts auch massenhaft zu Hause in der Schweiz.

Insgesamt war es wohl das beste und spannendste Jahr meines bisherigen Lebens. Von einem eher faulen Gymnasiasten, der jeweils an den Wochenenden richtig aufbluehte und sich ins staedtische Getuemmel stuerzte, wurde ich zu einem kaeltegeprueften Sibirjaken, welcher sich oft Zeit nimmt, ueber sich und die Welt zu philosophieren. Natuerlich freue ich mich auch wieder auf ein wenig exzessivere Zeiten nach meiner Rueckkehr in der Heimat, aber ich bin trotzdem froh, dass ich das Jahr 2008 so facetten- und kontrastreich erleben durfte. Hoffen wir, dass 2009 genauso interessant wird!

Und heute gehe ich zum Coiffeur. Mal schauen, wie es wird. Vielleicht haetten wir mit Wladimir doch Coiffeurvokabular lernen sollen...

Samstag, 27. Dezember 2008

Das Paket.

Gestern Abend lag ein kleiner russischer Papierfoetzel in unserem Briefkasten, der meine Laune erheblich steigerte. Auf dem besagten Papier stand naemlich, dass Livio Lieschti ein Paket aus Schweden erhalten habe. Schweden und die Schweiz sind scheinbar ziemlich leicht zu verwechseln, jedenfalls fragte mich schonmal jemand, ob denn unsere Landeswaehrung "Kronen" heisse. Scheinbar ein Grossmachtphaenomen, die Amis haben ja damit auch Muehe.
Jedenfalls freute ich mich riesig ueber diese Nachricht, musste mich jedoch mit dem Abholen auf den naechsten Tag vertroesten, da die Post um diese Uhrzeit schon geschlossen war. Trotzdem hatte ich eine Scheissfreude und ich glaube, ich habe sogar von diesem Paket getraeumt, aehnlich wie frueher, als man am Vortabend seines Geburtstages kaum auf den naechsten Morgen warten konnte..
Heute morgen machte ich mich nach dem Aufstehen schneller als besonders strassen- und gesellschaftstauglich, obwohl sich mein Kopf schrecklich schwer anfuehlte. Kein Kater, ich glaube ich habe ein Stueckchen von Papas Migraene geerbt. Ich ging also voller Vorfreude in Richtung Post und versuchte mich trotz meines nicht ganz topfitten Zustandes einigermassen an das grelle Tageslicht zu gewoehnen. Auf der Post bekam ich schliesslich nach einigen Minuten Wartezeit und dem Ausfuellen irgendeines unverstaendliches Dokumentes mit Passnummer und Unterschrift endlich ein kleines gelbes Schweizer Postpaket! Russische Postangestellte sind generell scheiss unfreundlich und die buerokratischen Wege sind irgendwie unnoetig kompliziert, somit freute ich mich noch mehr, als ich schliesslich mein Paket aus der Heimat in den Haenden hielt. Das Paket war in eine Plastikhuelle eingeschweisst und war scheinbar auf dem Weg geoeffnet worden - wahrscheinlich wollten die Zoellner auch ganz sicher sein, dass ausser der auf dem Paket deklarierten Schokolade keine boese Bombe in ihr Land eingeschleust wird. Ich ging darauf schnell nach Hause und konnte endlich mein etwas verspaetetes Weihnachtsgeschenk oeffnen. Danke fuer die Schokolade und die Weihnachtsguetzli, Toni!
Wahrscheinlich haette ich mich sogar ueber einen in Zeitungspapier eingepackten Fisch wie ein kleines Kind gefreut. Mein Freude galt naemlich vor allem der Aufmerksamkeit und der Tatsache, dass es dieses Paket auch tatsaechlich aus der fernen Heimat relativ unbeschadet ins ferne Sibirien geschafft hatte. Aber natuerlich empfand ich auch ein starkes Gluecksgefuehl, als ich genuesslich in einen der Zimtsterne biss. Danke.

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Frohe Weihnachten!


Zum ersten Mal in meinem Leben erlebe ich schoen verschneite weisse Weihnachten. Die Ironie daran ist nur, dass in Russland gemaess der russisch-orthodoxen Tradition am 24. Dezember gar nicht wie in unserer christlich-abendlaendischen Kultur Weihnachten gefeiert wird. Heute ist fuer fast alle Russen ein stinknormaler Arbeitstag und auch am Abend wird hier kaum jemand das Fest zu Ehren der Geburt Christis feiern - hoechstens einige Angehoerige der winzigen Katholischen Minderheit im Lande. Die grosse Sause inklusive Geschenkchen, Kerzen und manchmal lichterloh brennenden Weihnachtstannen geht hier erst am 31. Dezember ueber die Buehne, jedoch ohne religioese Elemente wie beispielsweise Krippenspiele oder Weihnachtsgottesdienste. Diese finden erst am 7. Januar, dem orthodoxen Weihnachtsfest, nach dem alten julianischen Kalender statt.
Ich werde heute Abend also nicht vor einer geschmueckten Tanne Platz nehmen und viele schoene tolle Geschenke in Empfang nehmen und danach bei Kerzenschein mit der alljaehrlich gleichen Weihnachtsmusik vom Gefangenenchor Regensdorf ein etwas festlicheres Abendessen zu mir nehmen. Aber irgendwie trifft mich das gar nicht allzu sehr. Mir lag nie allzu viel an der weihnaechtlichen Unterstuetzung der Geschenkchenindustrie und der oftmals uebertrieben kuenstlichen Herzlichkeit und Heiterkeit, welche man seinen Mitmenschen an diesem Fest schenken sollte. Darum verkrafte ich den diesjaehrigen Entfall von Weihnachten auch mehr oder weniger gelassen. Und auf den Strassen der Stadt herrscht hier trotzdem ein bisschen sowas wie Weihnachtsstimmung. Als Vorbereitung auf das Neujahrsfest stehen naemlich schon vielerorts schoene Weihnachsttannen und die Gebaeude sind teilweise mit bunten Lichterketten geschmueckt. Somit muss ich auf diese Elemente von Weihnachten wenigstens nicht verzichten.

Aber irgendwie vermisse ich am heutigen "Fest der Liebe" all die tollen Menschen, welche mir in der Heimat mein Leben durch ihre Anwesenheit versuesst haben und dies hoffentlich auch in Zukunft tun werden, etwas staerker als sonst. Darueber troesten meine durchaus vorhandenen, aber doch irgendwie mit dem Attribut "temporaer" gebrandmarkten russischen Freundschaften auch nicht ganz hinweg. Auf meinem Ipod habe ich ein paar Versionen von "Stille Nacht", welche ein paar tolle Musiker irgendwann aufgenommen haben - die von Low ist besonders schoen. Die werde ich wohl heute abend hoeren. Und vielleicht zuende ich noch ein Kerzchen an. Oder so.

Euch allen, die ihr meinen Blog aus meiner Heimat oder sonstwoher verfolgt, wuensche ich ein tolles Weihnachtsfest mit euren Familien. Und ich hoffe fuer euch, dass trotz der extremen Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes heute Abend etwas Frieden und Liebe in eure Stuben einkehren wird. Irgendwie ist Weihnachten eben trotz allem jedes Jahr ein schoener Moment. Also liebt euch und seid froehlich!

Dienstag, 23. Dezember 2008

I wanna be TRASH.

Mein Email-Account will heute irgendwie nicht funktionieren. Das ist irgendwie ziemlich muehsam, da ich gerne meine Emails gelesen haette und dies wohl erst morgen wieder tun kann. Bloede Technik undso. Und trotzdem sind wir so verdammt abhaenig von ihr. Wir sind alle SKLAVEN der technisierten Welt. Haha.

Nachher muss ich wiedereinmal den Deutschunterricht der Schulkinder in der Kleinen Akademie besuchen. Normalerweise gehe ich ja gerne dorthin, aber heute feiern wir Weihnachten und sie wollen unbedingt irgendein doofes Theater mit mir spielen. Ich soll in der Rolle eines Prinzen - das ist der schoene Teil des Ganzen - eines der kleinen pubertierenden ueberhaupt nicht meinem Geschmack entsprechenden Maedchen (wach)kuessen oder so aehnlich. Darauf habe ich irgendwie nicht so Lust. Vielleicht habe ich heute ploetztlich eine hochansteckende durch Hautkontakt uebertragbare Krankheit. Mal schauen.

Sonntag, 21. Dezember 2008

Un vent froid.

Die sibirische Kaelte hat sich nach ein paar Unsicherheiten schlussendlich wirklich ueber das Land gelegt. Temperaturen von -24 Grad tagsueber sind seit wenigen Tagen nun zum taeglichen Bild geworden. Frueher kannte ich diese Zahlenfolge auf dem Thermometer eigentlich nur ohne das Minus davor, aber eigentlich habe ich es mir schlimmer vorgestellt. Man kann durchaus noch ohne die Thermokleidung eines Polarforschers auf die Strasse treten. Mit 3 langaermligen Pullovern unter einem Wintermantel fuehlt sich das Ganze sogar noch ziemlich warm an. Nur das Gesicht leidet. Es weht naemlich staendig ein kleiner fieser Wind, welcher die gefuehlte Temperatur noch um einige Grade absenkt - Windchill-Faktor undso. Nachts wird es dann oft noch kaelter, so etwa -30. Der Zenit ist jedoch noch keinesfalls erreicht. Im Januar kann es auch tagsueber gut -35 Grad kalt werden. Vielleicht brauche ich wirklich noch eine sibirische Winterjacke...  Jedenfalls hoffe ich, dass es in 10 Tagen in der Neujahrsnacht etwas waermer wird. Sonst muss halt der Wodka als Heizung dienen, naja. 

Gestern Abend habe ich wieder einmal Keren Ann gehoert. Eine fantastische Stimme. Und irgendwie auch noch schoene Texte. Englische und auch franzoesische. Irgendwie entdecke ich langsam wieder die Freude an der franzoesischen Sprache. Ich muss dann wohl wieder einmal ins Westschweizer Exil fahren. Oder eine Franzoesin heiraten. Oderso. 

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Der Polyglott

Polyglott (von griechisch "poly" = viele und "glotta" = Zunge, Sprache) nennt man eine Person, die viele Fremdsprachen spricht (auch Multilinguale, Mehrsprachige). Es ist nicht definiert, wieviele Sprachen man wie gut sprechen können muss, um polyglott genannt zu werden.

Inbegriff eines polyglotten Menschen ist der italienische Kardinal Mezzofanti, der Italien nie verließ, aber 38 Sprachen beherrschte und weitere 30 Sprachen fließend sprach. Außerdem konnte er 50 Dialekte aus verschiedenen Sprachen. Ein lebender Polyglott ist der belgische Architekt Johan Vandewalle, der 22 lebende und neun tote Sprachen beherrscht (Stand 1987).

Forscher um Michael Chee vom Cognitive Neuroscience Laboratory in Singapur haben herausgefunden, dass Menschen, die eine Fremdsprache leicht erlernen, die als Insula bezeichnete Region ihres Gehirns intensiver nutzen, denn in dieser Region werden ungewohnte Klangmuster unbewusst abgespeichert.

sagt unser aller grosser Freund Wikipedia.


Ich spreche zwar noch nicht 50 Sprachen oder so, aber immerhin ist es mir bereits moeglich, 4 ziemlich verschieden Sprachen mehr oder weniger fliessend zu sprechen und mich in diesen Sprachen zu verstaendigen. Eigentlich sind es sogar 5, aber Latein ist TOT! Klar beherrscht man eine von diesen Sprachen am besten, naemlich die Muttersprache, in meinem Fall Deutsch, wobei den staendigen Wechsel, welcher ein Deutschschweizer zwischen zwei doch ziemlich verschiedenen Systematiken der deutschen Sprache betreibt, keineswegs unterschaetzten darf. Lebt man fuer laengere Zeit im fremdsprachigen Ausland, gewinnt die dort dominierende Sprache fuer sich selbst ebenfalls eine uebergeordnete Stellung gegenueber den anderen Fremdsprachen, die man sonst noch so beherrscht. Fuer mich ist also die russische Sprache zur naheliegendsten Fremdsprache geworden, obwohl ich beispielsweise viel besser franzoesisch sprechen und schreiben kann. Das fuehrt dazu, dass ich in Situationen, wo ich ploetzlich wieder die anderen Fremdsprachen anwenden sollte, manchmal mit russischen Wendungen zu kaempfen habe, die sich durch den haeufigen Gebrauch, staendig vor meinen schon vor laengerem erworbene Fremdsprachenkenntnisse draengen moechten.

So fielen mir in einem kurzen Gespraech mit einem Franzosen, der ebenfalls an meiner Fakultaet unterrichtet, vorerst die Woerter auf Russisch ein, bis ich endlich meine alten Franzoesischkenntnisse wiedererwecken konnte. Mit der Zeit ging es dann immer besser, obwohl sich zwischen durch immer wieder Russizismen auf meine Zunge draengen wollten.

In einer anderen Situation fuehlte ich mich jedoch schon ein wenig polyglotter. Ich war in ein Gymnasium eingeladen worden, um dort ein wenig mit den Studenten zu sprechen. Es stellte sich dabei heraus, dass die Kinder aus verschiedenen Klassen auch verschiedene Fremdsprachen lernten, naemlich genau die Sprachen, welche ich auch gelernt habe - also Deutsch, Franzoesisch, Englisch und Russisch. Das Ganze endete schliesslich in einem staendigen hin und her zwischen diesen vier Sprachen, wobei mir dieser Wechsel schon ziemlich gut gelang. Schlussendlich ueberwiegte jedoch wieder das Russisch, was fuer mich auch nicht allzu schlecht war, da ich mich wiederum relativ gut verstaendigen konnte, was wiederum ein kleines Erfolgserlebnis fuer mich darstellte.

Vielleicht spreche ich irgendwann einmal auch 50 Sprachen. Nein, wohl eher nicht. Dafuer bin ich wohl zu dumm - und zu faul...

Montag, 15. Dezember 2008

Cut Your Hair!


I'm just a boy with a new haircut,
And thats a pretty nice haircut!


Ich moechte auch einfach ein Junge mit einem neuen sehr schoenen Haarschnitt sein, wie es Pavement so schoen besingen. Aber ich habe ANGST! Ich hasse Coiffeure, Friseure oder wie sich diese Haarstraehnenmoerder sonst noch so nennen. Diese Tatsache laesst mich auch in der Schweiz vor haartechnischen Abenteuern zurueckschrecken und ich habe bisher meine mir heilige Haarpracht nur meinem Dorfcoiffeur anvertraut, der schon seit Jahren unserer ganzen Familie die Haare doch ziemlich schoen schneidet. Und nun muss ich wohl in dieser oder der naechsten Woche meine Kopfbehaarung in die Haende eines russischen Friseurs geben, da sich die Tatsache, dass meine Haaer ziemlich schnell wachsen leider nicht ausblenden laesst.
Ich stelle mir vor, wie ich auf dem Coiffeurstuhl eines Ulan-Udener Coiffeursalons sitze und der Person mit der bedrohlichen Schere in der Hand klarmachen will, wie ich mir meinen zukuenftigen Haarschnitt vorstelle. Ich habe zwar Haende und kann irgendwie was zeigen damit. Aber wie soll ich bitteschoen coiffeurtechnische Begriffe wie "gestuft" oder "Haarstraehne" umschreiben? Die findet man naemlich nicht in meinem doofen kleinen Woerterbuechlein.

Wiedermal Wochenende.



Eigentlich haben die Wochenenden fuer mich momentan wieder ein wenig an Bedeutung verloren, da ich sowieso auch unter der Woche nicht allzu stark beansprucht werde und so viel freie Zeit zur Verfuegung habe. Trotzdem unternimmt man meist mehr am Wochenende, da die Studenten und anderen Bekannten hier unter der Woche meistens beschaeftigt sind.

Am Samstag lud mich meine Gastmutter Nina in die Philharmonie ein, wo Studenten ihrer Kulturakademie ein Konzert russischer Volksmusik auffuehrten. Ich stehe ja sonst nicht extrem auf Volksmusik, aber wenn man in einem fremden Land lebt, sollte man sich auch ein wenig mit dem dortigen Brauchtum auseinandersetzten. Und es gefiel mir dann durchaus gut. Schoene Gesaenge und Akkordeonklaenge, wie ich sie gerne mag. Ansonsten verbrachte ich den Tag vor allem mit Postkartenschreiben und lesen. Auf Weihnachten oder Neujahr bekommen alle, die bei mir ihr Beduerfnis danach angemeldet haben oder sonst irgendwie einer Karte wuerdig sind, von mir eine Postkarte aus Ulan-Ude. Je nachdem, wie schnell die Post ist... Ich habe dafuer ein Postkartenbuechlein der Stadt Ulan-Ude gepluendert, anders war es nicht moeglich, an halbwegs brauchbare Ansichtskarten zu kommen, die man auch tatsaechlich verschicken kann. Die Russen sind keine Postkartennation, irgendwie.
Und falls jemanden die Angst plagt, moeglicherweise vergessen zu werden, dann meldet euch bitte noch einmal mit Adresse und so bei mir.

Am Sonntag goennte ich mir den ueblichen wohl manchmal etwas zu langen Schlaf den ganzen Morgen hindurch. Danach ging ich mit Sojelma und ihrer Freundin ein wenig in der Stadt spazieren. Sie ist eine Schuelerin aus der Kleinen Akademie, wo ich bereits einige Male vorbeigeschaut habe, und wollte ein wenig mit mir reden. Kultureller Austausch und so. Wir flanierten gemeinsam durch die Stadt, wobei ploetzlich auf der anderen Seite der Fussgaengerzone ein Junge vorbeischritt, welcher die beiden 15 jaehrigen Maedchen in eine helle Aufregung versetzte - nicht anders, als wenn 15 jaehrige Maedchen in der Schweiz ihren heimlichen Schwarm vorbeigehen sehen. Auch wenn ich langsam ein wenig dieser Altersstufe entwachse, war es trotzdem amuesant und eine nette Abwechslung. In einem der Stadtparks trafen wir schliesslich auf eine Gruppe Manga- und Japan-Fanatiker, welche hier jeweils sonntags ihre Treffen abhalten. Umarmungen wurden ausgetauscht, es wurde gelacht, gemeinsam herumgehuepft, getratscht und so weiter. Schoen, dass die Jugendlichen irgendwie doch ueberall gleich sind. Und eines der Maedchen horchte auf, als sie meinen Namen hoerte: Sie hatte auch schon von meiner Anwesenheit in der Stadt gehoert. Irgendwie komme ich mir manchmal vor wie eine Stadtbekanntheit. Ein bisschen. Kein schlechtes Gefuehl, haha!
Und die Sonne setzte sich an diesem Abend besonders schoen in ihr weiches Himmelbett. Darum auch diese Fotos.



Iwolginskii Dazan

Hier endlich noch die versprochenen Fotos von meinem Ausflug ins Iwolginskii Dazan am vergangenen Mittwoch. Meine Fotos leben noch alle. War doch kein Virus oder so. Oder zumindest ist er jetzt weg, sofern es doch einer war. Gut.















Freitag, 12. Dezember 2008

Geht sterben, Virursprogrammierer dieser Welt!

Ich glaube, dass sich irgendein von einem haesslichen pickligen Computerfreak programmiertes Wuermchen ein warmes Nest auf meinen USB-Speichermedien gesucht hat. Jedenfalls begruessen die Virenprogramme beim Einstecken der oben genannten Datenspeicher diese jeweils mit boesen roten Fehlermeldungen in russischer Sprache, die gewiss nichts Gutes zu verkuenden haben. Und oeffnen lassen sich die Daten momentan auch nicht mehr, obwohl sie noch vorhanden sind. MUEHSAM. Vor allem, wenn man bedenkt, dass dieser Unhold, welcher diesem haesslichen Datenmuellgetier seinen Lebenshauch eingefloesst hat, moeglicherweise meine mir sehr wichtigen Fotos zerstoeren moechte. Das waere fuer mich extrem unschoen. Klar sind die Erinnerungen hauptsaechlich im Kopf, aber eben auch auf meiner Kamera.
Aber noch ist nichts verloren. Ich werde kaempfen. Katja kennt irgendeinen Computerfreak, der sich gut mit Viren undso auskennt. Der wird diesem haesslichen kleinen Datenbastard schon seine Lebensgrundlage entziehen und ihn qualvoll verrecken lassen. Der soll ein leiden, der WICHT!

Ausserdem bin ich heute auf der schneebedeckten Strasse voll auf die Fresse geflogen. Und der Bankomat, wo ich normalerweise mein Geld beziehe, funktionierte nicht, also musste ich einen anderen suchen. Man kann also durchaus behaupten, dass heute ein Scheisstag sei. Mal schauen, der Tag ist noch lang und es kann noch viel passieren. Viel Gutes, hoffentlich.

Donnerstag, 11. Dezember 2008

NOISE


Ich habe festgestellt, dass noch etwas weiteres zu meiner Ich-habe-nicht-will-aber-haben-Liste dazugekommen ist. Ich vermisse mein von Papa geerbtes oranges superlaermiges Ibanez-Overdrive Effektgeraet, mit welchem ich auf meiner rot-weissen Telecaster, welche ich ebenfalls vermisse, so herrlich herumlaermen konnte. Musik zu machen, die in ihrer flaechigen Form und Struktur eine Gratwanderung zwischen Laerm und Musik vollbringt, ist ein herrlich befreiendes Gefuehl, welches ich auf meiner hiesigen Akustikgitarre nicht erzeugen kann.

Darum gehe ich jetzt Mogwai hoeren. Glasgow Mega Snake oder so. Der schoenste Laerm, der je den Weg auf den Musikmarkt gefunden hat.

Sibirische Weite und ausgemergelte Kuehe


Eigentlich wollte ich ja hier ein paar schoene Bildchen hochladen und diese dann mit gut gewaehlten Worten umschreiben, aber meine Speichermedien und der Computer Nr. 3 im Internetcafe wollen sich heute irgendwie nicht vertragen. Schade. Ein Bildchen aus dem Internet muss als unwuerdige Vertretung fuer meine schoenen Winterbilder vorerst ausreichen. Gestern war ich jedenfalls endlich im Iwolginsker Dazan, im Zentrum des Buddhismus in Russland, welches sich etwa 40 Kilometer ausserhalb des Stadtzentrums befindet. Ich hatte somit auch endlich einmal die Gelegenheit, etwas weiter aus der Stadt zu kommen. Denn ich kannte bisher fast nur das Stadtgebiet - im Winter fahren die Staedter nicht allzu gerne in die kalte sibirische Steppe.

Die Hinfahrt mit der von mir sonst nicht allzu geliebten Marschrutka war erstaunlich angenehm - sie sind wohl nur in der Stadt so muehsam und schaukelnd. Auf dem Land gibt es genuegend Platz und so verlaufen die Strassen abgesehen von gelegentlichen Richtungswechseln oft schnurgerade. In der Ferne bewunderte ich waehrend der Fahrt die schneebedeckte, nicht allzu hohe, aber trotzdem erhabene sibirische Bergwelt, welche gegen die Stadt hin in ein flaches sanftes Steppen- und Weidenland auslaeuft, wo selbst im Winter in der Naehe der Doerfer einige ausgemergelte Kuehe ihre Runden drehen. Grasen kann man diesen Prozess wohl nicht nennen, aber sie finden wohl trotzdem irgendetwas zu essen. Nach einer etwa 1 stuendigen Fahrt kamen wir dann schliesslich auf dem Gelaende des Klosters an, welches sich schon von weitem durch zahlreiche chinesisch anmutende Tempelbauten ankuendigte.

Urspruenglich waren wir hierher gekommen, um mit einem der Lamas, so heissen die buddhistischen Lehrmeister, zu sprechen, da meine Begleiterinnen einen Vortrag ueber den Buddhismus und Schamanismus halten sollten, wozu sie noch einige Fragen beantwortet haben wollten. Wir gingen also an den um Kaeufer buhlenden Souvenierverkaeuferinnen vorbei, drehten eine der vielen grossen Gebetsmuehlen und begaben uns auf die Suche nach einem Lama, welchen wir auch bald in seiner kleinen Wohnstube vorfanden. Er war sehr sympathisch und ging ausfuehrlich auf die Fragen der Studentinnen ein, nur als er am Schluss den Maedchen verbat, ihn zu fotografieren, blitzte seine hohe Geistlichkeit kurz durch. Danach spazierten wir ueber das weitlaeufige Klostergelaende, wobei wir zuerst annahmen, dass die am Eingang angeschlagene Fotografierbewilligungspflicht auch wirklich gelte und so gewissenhaft uns nach einer solchen Bewilligung erkundigen wollten. Die Frau am Eingang winkte jedoch ab und versicherte uns, das kuemmere niemanden. Russische Buerokratie geht also auch umgekehrt. Gut. Und die Fotos werden hier auch noch irgendwann gezeigt.

Zum Abschluss durfte dann ein Besuch am Souvenierstand doch nicht fehlen, und ich haette wohl den ganzen Stand aufkaufen muessen, wenn ich mich nicht nach kurzer Zeit wieder davon entfernt haette. Immer wieder wollten mir die Frauen ach so tolle Souveniers anbieten, die man UNBEDINGT mit nach Hause nehmen sollte. Touristen sind hier wohl auch eher Mangelware. Ich hielt mich jedoch zurueck und beliess es bei einigen Kleinigkeiten.

Und auf der Rueckfahrt konnte ich vorne auf dem Beifahrersitz der Marschrutka sitzen. Viel angenehmer undso. Von jetzt an will ich immer vorne sitzen! So kann man die Landschaft viel besser geniessen, und das tat ich dann auch. Teilweise sieht es ein bisschen aus wie im von mir so geliebten Nordschweden. Nur noch weniger Baeume und leider fast keine Seen. Trotzdem superschoen!

Dienstag, 9. Dezember 2008

Eine schwarze Katze mit vollen Eimern

Ich habe bedingt durch die Tatsache , dass die sibirischen Winternächte temperaturmässig doch nicht immer zu ausgedehnten Aufenthalten im Freien einladen, ein neues Hobby gefunden, welches mich nicht dazu zwingt, die warme Stube zu verlassen. Ich LESE. Der abendliche Aufenthalt in einer gut geheizten Wohnung ist zu dieser Jahreszeit weitaus angenehmer als die Fahrt in einer Strassenbahn, in der kühlschrankähnliche Temperaturen Fenster vereisen und gar das Material meiner Freitag-Tasche steifgefrieren lassen.
Nachdem ich an zwei aufeinanderfolgenden Abenden zum zweiten Mal Herrn Lehmann auf seiner grosstadtphilosophischen Kneipentour durch das noch geteilte Berlin begleitet hatte, wollte ich mir wieder einmal etwas völlig neues gönnen. Dies ist jedoch nicht immer allzu einfach, da es mein Russisch einerseits noch nicht erlaubt, ohne Dauerbenutzung meines Wörterbuches zu lesen, und da andererseits deutschsprachige Bücher hier kaum erhältlich sind. Ich fand jedoch beim Blick in das grosse Bücherregal, welches mein Zimmer garniert, neben russischen Übersetzungen englischer Klassiker auch eine deutschsprachige Übersetzung eines russischen Werkes. Nämlich "Wo die Beeren reifen" von Jewgeni Jewtuschenko, welcher scheinbar in Russland doch nicht allzu unbekannt ist.
Ich begann also gespannt zu lesen, wobei mich bereits der Prolog des Romanes sehr faszinierte.

Aus der Erzählperspektive eines älteren Kosmonauten, der sein ganzes Leben auf seinen Flug ins All gewartet hatte, und es nun schlussendlich auch schaffte, wird über die Menschheit und ihre Unperfektheit philosophiert, indem der Kosmonaut aus seinem Raumschiff auf die Erde blickt und über die Menschheit reflektiert. An gewissen Stellen gleicht der Text gar einem Manifest, man möchte am liebsten jeden Satz herausschreiben und sich über das Bett hängen. Hier einige dieser philosophischen Sätze. Einfach so. Zum geniessen.

"Unser ganzes Wissen, das der Vergangenheit, das der Gegenwart und das der Zukunft - ist nichts im Vergleich zu dem, was wir niemals wissen werden."

"Bevor man denkende Maschinen erschafft, muss man eine Ethik für die denkenden Maschinen schaffen. Andernfalls werden sie gebildete Mörder sein. Aber WER gibt den Maschinen ein ethisches Programm ein, wenn ihre Erbauer kein morlisches Rückgrat haben?"

"Alle Nationalismen sind unmenschlich. Man darf nicht nur an sein Land glauben, ohne dabei auch an die Menschheit zu glauben, sonst entstehen Krieg und andere Barbareien. Und ein zukunüftiger Weltkrieg ist ja gerade deshlab so besonders schrecklich, weil im atomaren Feuer ALLE verglühen - die Gerechten und die Ungerechten."

"Es ist nicht viel getan, wenn man die Mörder beseitigt, man muss die Möglichkeit, dass es Mörder gibt, beseitigen."

Alles sehr passend, finde ich. Auch wenn nun bereits zwanzig Jahre seit dem Niederschreiben dieser Zeilen vergangen sind. Und vor allem verpackt in der Lebensgeschichte des Kosmonauten, über dessen junge Jahre und erste grosse Liebe man ebenfalls etwas erfährt, verfehlen diese Zeilen ihre starke Wirkung nicht.

Und der Titel dieses Eintrages ist ebenfalls ein Zitat aus dem Buch. Ein aus russischer Sicht sehr ironisches Bild, bedeutet doch die schwarze Katze in abergläubischen Kreisen Unglück, eine Person, die volle Eimer trägt, jedoch als Zeichen für grosses Glück.

Das war erst der Epilog. Im weiteren Verlauf wird die Geschichte, welche in der sibirischen Taiga lokalisiert ist, lebensnaher und weniger philosophisch, aber trotzdem interessant zu lesen..

Montag, 8. Dezember 2008

Sonntags auf dem Eisfeld.

Eigentlich hasse ich Sonntage. So richtig. Meistens tanze ich samtagabends durch das staedtische Nachtleben, bevor mich der Nachtbus fruehmorgens in mein laendliches Idyll zurueckbefoerdert. Der darauf folgende Tag besteht dann meist daraus, sich zu ueberlegen, ob man entweder gar nichts (im Internet herumduempeln) oder irgendetwas eher Sinnloses (im Wald spazieren oderso.) machen solle. Sonntag bin ich nie wirklich aktiv. Zumindest zu Hause.

Aber es gibt auch gute Sonntage. Das erlebe ich hier vor allem, was wohl auch damit zusammenhaengt, dass sich die Gestaltung meiner Samstagabende hier eher brav und ruhig gestaltet, was jedoch durchaus nicht nur negativ sein muss. Jedenfalls war gestern wieder so ein Tag. Eigentlich hatte ich vorgehabt, mit einigen Studentinnen Ski fahren zu gehen, aber da uns dies irgendwie verunmoeglicht wurde (russische Spontaneitaet undso) mussten wir uns mit einem Besuch eines der vielen staedtischen Eisfelder zufrieden geben. Nachdem eine halbe Stunde nach der eigentlich vereinbarten Zeit (russische Puenktlichkeit. Zumindest manchmal) schliesslich beide meine Begleiterinnen eingetroffen waren, liefen wir durch den wunderschoenen frisch gefallenen Schnee, sicher etwa 15 cm, zum Eisfeld. Obwohl ich gedanklich schon wieder befuerchtete, auf Grund meines nicht Vorhandenseins eines russischen Passes vom Schlittschuhlaufen ausgeschlossen zu werden. Dieser Verdacht erwies sich gluecklicherweise als falsch und die junge Frau an der Schlittschuhausgabe schenkte mir an Stelle einer schroffen Absage gar ein nettes Laecheln. Auch das Eisfeld war besser als die anderen beiden, wo ich bereits war, obwohl relativ viel Schnee auf dem Eis lag, was jedoch meinen Spieltrieb und meine Spassbereitschaft eher noch beguenstigte.

Im Innern sind wir alle auch nur Kinder:












(UN)KULTURGUETEREXPORT


Ein tragisches Bild.

Freitag, 5. Dezember 2008

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Wodka! undso.

Ja, irgendwann liess sich der engere Kontakt mit der in europaeischen Augen russischen Volksspezialitaet auch nicht vermeiden, obwohl mir meine Gastmama immer gesagt hatte, dass das nur etwas fuer gestandene erwachsene Menschen sei und obwohl die Studenten an meiner Fakultaet eher zur abstinenteren Seite gehoeren. Die Geschichte, wie es dazu kam hat jedoch etwas sehr Tragikomoediantisches, darum will ich sie euch nicht vorenthalten.

Am gestrigen Abend ging ich mit Julia an ein Konzert einer Moskauer Rockband namens "Slot". Ich machte mir soundmaessig keine allzu grossen Hoffnungen, dass mich die Musik umhauen wuerde, aber freute mich dennoch auf ein russisches Clubkonzert und die dort anwesenden Besucher. Organisatorisch laeuft gerade im Garderoben und Eingangsbereich vieles etwas weniger geregelt als bei uns, da solche Konzerte hier wohl auch nicht zur Tagesordnung gehoeren. Nach einer geschaetzten halben Stunde Herumstehen in einer sich immer wieder wellenfoermig nach vorne und hinten bewegenden Menschenmasse wurden wir dann schlussendlich endlich in den Club gelassen. Natuerlich nicht, ohne vorher mit Metalldetektoren auf allfaellige Waffen ueberprueft zu werden. Gluecklicherweise gleichen die Clubeingaenge bei uns noch nicht so stark den Sicherheitszonen an Flughaefen. Aber andere Laender, andere Sitten. Jedenfalls sah es im Club sehr modern und gemuetlich aus. Die Einrichtung kann sicher mit unserem westlichen Standart gut mithalten. Ich goennte mir ein Bier - Stella Artois, supergut - und wartete auf die Band.

Die Musik war wie erwartet nicht gerade ueberzeugend. Oder zumindest nicht meinem Geschmack entsprechend. Screamo-Metalcore-Hardrock-Mischung irgendwie. Aber war trotzdem amuesant. Ich beobachtete mit grosser Freude das Publikum: Kleine Emomaedchen, Jungen in Roehrenhosen, Metallkoepfe und als Highlight der langhaarige headbangende Freak, der sich mit seinem entbloessten Oberkoerper und geschminkten Gesicht wohl fuer eine Art Jesusverkoerperung hielt. Koestlich!

Ploetzlich sprach mich ein junger Mann an und fragte, ob ich Schweizer sei. Ich hatte diese Person noch nie gesehen und fragte mich natuerlich, woher er das wisse. Ich richtete diese Frage auch an ihn, aber er fuehrte mich stattdessen ohne zu Antworten an einen Bartisch im hinteren Teil des Clubs. Dort sassen seine Freunde neben einigen leeren Flaschen Wodka. Am Tisch erklaerte er mir endlich, wie und warum er mich erkannte: Scheinbar hatte ich vor dem Eingang beim Herausnehmen meines Portmonees aus der Hosentasche irgendwie meine ID zu Boden fallen lassen. Ich hatte jedoch davon nichts gemerkt. Er und seine Freunde hatten sie dann gefunden und verlangten jetzt von mir einen Finderlohn, dass sie mir meine Karte wieder zurueckgeben. Zwei Flaschen Wodka und ich hatte meine ID wieder (zum Glueck sind die hier sehr viel guenstiger als bei uns...). Natuerlich durfte ich den Finderlohn danach mit ihnen teilen, und so endete ich schliesslich in einer angetrunkenen Gesellschaft aus jungen russischen Maennern, die angereget mit mir auf Russisch und Englisch ueber Dinge sprachen, ueber die Betrunkene ueblicherweise sprechen. Nach 3-4 Glaeschen purem Wodka begann dann auch ich ein wenig davon zu spueren... Julia rettete mich schlussendlich aus der an sich nicht sehr unangenehmen Situation und wir verliessen den Club.
Auf der Heimfahrt in der Marschrutka und beim nach Hause kommen merkte ich dann, dass ich selbst auch nicht mehr so ganz nuechtern war, und so umging ich ausgedehnte Gespraeche mit Nina und legte mich stattdessen bald ins Bett.
Ein amuesanter Abend, dochdoch. Aber das naechste Mal passe ich trotzdem besser auf mein Zeugs auf. Mhm.

Und heute hat uns schliesslich wieder die sibirische Kaelte erreicht. Minus 20 Grad tagsueber, dazu ein beissender Wind, der wie tausend kleine Messerchen das Gesicht maltraetiert. Aber ohne Wind ist's noch erstaunlich angenehm. Halb so wild.