Nach einem kleinen Zwischentief, habe ich gestern wieder Mut gefasst und mir vorgenommen, alle fremden Situationen nicht als Unannehmlichkeiten sondern als Chancen zu sehen. Nach dem Schulunterricht beschloss ich daher, noch ein wenig in der Stadt in der Fussgängerzone spazieren zu gehen.
Ich lief die ganze Stasse ab, bis ich zu einer wunderschönen weissen Kirche mit blauen Dächern kam, wo ich eine Weile innehielt und das Bauwerk bestaunte. Auf dem Rückweg beschloss ich, noch einen kleinen Abstecher in ein Geschäftshaus zu machen, wo ich einige Tage zuvor eine Reklame für ein Musikgeschäft gesehen hatte. Das Geschäft erwies sich als ziemlich leer und dadurch relativ unspannend, weshalb ich mich schnell wieder entschied, zurückzugehen. Auf dem Weg nach draussen begegnete ich im Flur des Gebäudes einer Szene, die mich irgendwie sehr berührte: Ein kleiner burjatischer Junge zog beobachtet von einigen jüngeren Damen ein Kartonding an einer Schnur hinter sich her, was sich bei nährem Hinsehen als Katze herausstellte. Seine Mutter hatte ihm diese wohl aus einer einfachen Kartonkiste gebastelt und mit einem Katzengesicht verziehrt. Der Junge schien dabei sehr glücklich. Er hatte zwar wenig, war aber damit zufrieden und lechzte nicht nach hunderfränkigen Plastikspielwaren, die bei der Betätigung eines Knopfes komische Laute von sich geben.
Eine zweite kleine Alltagsszene, welche meine Aufmerksamkeit auf sich zog, spielte sich in der nähe des grossen Lenindenkmals ab. Zwei jugendliche Mädchen waren eifrig damit beschäftigt, möglichst vorteilhafte Fotos von sich zu schiessen, wobei sie immer wieder leicht theatralische Posen einnahmen, die mir die Lieblingsbeschäftigung von gewissen westlichen Jungendlichen im Myspacezeitalter in Erinnerung riefen. Sie leben zwar in Sibirien, sind aber dadurch doch nicht so anders, als man es vielleicht meinen könnte, wurde mir dabei bewusst.
Eine dritte Szene, welche ich liebend gerne fotografisch festgehalten hätte, was jedoch die Szenerie nur bedingt authentisch wiedergeben hätte, spielte sich am festlich gedeckten Tisch in unserer Wohnung ab. Dascha hatte gestern Geburtstag und so lud ihre Mutter einige ihrer verwandten ein. Es gab sehrviel zu essen, und auch einiges zu trinken (wobei der Wodka den älteren vorenthalten blieb...). Schnell kristallisierte sich für mich Nina Wladimirowna, Daschas Patentante, als interessanteste Person heraus. Ihre etwas ruppige aber doch liebenswerte Art erinnerte mich an das klischeetierte Bild einer strengen Babuschka (Grossmutter). Mir blieb dabei besonders der Moment in meiner Erinnerung haften, als sie genüsslich in einen vom gegessenen Fisch übrigen Fischkopf biss, und mit den Zähnen das letzte, was davon noch essbar war, abkratzte und heraussaugte. (Da wir in der Nähe des Baikalsees leben, gibt es hier sehr oft Fisch, einige davon isst man auch roh, was jedoch gar nicht übel schmeckt, wie ich selbst bestätigen kann. Auch Kaviar, der hier zwar auch als Delikatesse gilt, aber trotzdem zahlbar bleibt, schmeckt besser als ich es erwartet hätte.)
Am liebsten würde ich momentan alles, was ich sehe irgendwie festhalten und als handfeste Erinnerung behalten, was jedoch logischerweise nicht möglich ist. Mit Fotografieren halte ich mich momentan noch eher zurück, da ich zuerst alles mit meinen eigenen Augen und nicht durch das kleine Fensterchen meiner Kamera sehen möchte. Ich werde jedoch sicherlich mit einer bunten Sammlung aus alltäglichen und nicht alltäglichen Bildern nach Hause zurückkehren.
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1 Kommentar:
'Ich lief die ganze Stasse ab, bis ich zu einer wunderschönen weissen Kirche mit blauen Dächern kam, wo ich eine Weile innehielt und das Bauwerk bestaunte.'
ahhh ab däm satz bini faaasch verreckt.. weisch stöu drs mou vor, irgendeine stoht eifach vorener chile härä wo wonr wuuuuunderschön fingt, us typ seit me ni wuuunderschön, MANN
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