Mittwoch, 29. Oktober 2008

Rollerdom. Indiemusik.

Als ich gestern die Uni ohne grosse Pläne für den weiteren Tagesverlauf verliess, bekam ich eine SMS von Maja. Sie wollte mich zum Rollschuhfahren im Rollerdom einladen, da es ja am Sonntag nicht geklappt hatte. Ich freute mich über dieses spontane Angebot und sagte natürlich sofort zu.
So fuhr ich mit Maja und Natascha, einer Freundin von ihr, die ich bisher noch nicht gekannt hatte, zum Rollerdom auf einem Hügel am Stadtrand. Unter Rollerdom muss man sich eine mittelgrosse Halle vorstellen, in der man mit gemieteten oder eigenen Inline Skates seine Runden drehen kann. Nicht so discomässig bunt wie in gewissen amerikanischen 80er-Jahre Filmen, aber wenigstens lief irgendwelche Bummbumm-Musik. Es machte jedenfalls grossen Spass, wiedermal Rollschuh zu fahren und ich war erstaunt darüber, dass ich sogar von früher noch einige Tricks wie Rückwärtsfahren oder enge Kurven fahren beherrschte. Zu meiner Freude fiel ich auch nie hin, wie es Maja gerne gesehen hätte, die zweimal auf dem Boden landete... Gegen Ende unserer Zeit machte sich jedoch ein Schmerz an meiner Fussohle bemerkbar, der stark auf die Bildung von Blasen schliessen lies. Ich hätte wohl die Schuhe eine Nummer kleiner nehmen sollen - denn als ich nach Hause kam, bevölkerte eine riesige Blase meinen rechten Fuss. Naja. Selber schuld...

Nach dieser sportlichen Betätigung - ich kam zum ersten Mal seit Wochen wieder ein wenig ins Schwitzen - beschlossen wir, noch Pizza essen zu gehen. Auf dem Weg dahin lenkten wir unser Gespräch - ich versuchte russisch zu sprechen, Maja meistens deutsch und Natascha irgendwie englisch, jeder wollte seine Fremdsprachenkenntnisse anwenden - auf das Thema Musik. Natascha wollte wissen, was ich denn so höre. Mein schalkhaftes "ich höre nur klassische Musik" wollten sie mir nicht abnehmen, und so sagte ich ihnen ich höre "irgendwas mit Rock, so Independent undso". "Aha, meinst du INDIE? Solche Bands wie Arctic Monkeys, Strokes undso?", fragte darauf Natascha. Und ich konnte erfreut bejahen. Ich hätte nicht gedacht, dass die Globalisierung heute soweit reicht und die Namen von westlichen Indie-Grössen, wie ich sie auch oft höre, sogar hier im fernen Osten geläufig sind. Aber das Internet machte die Welt zu einem Dorf und ist auch hier immer gegenwärtiger, sonst könnte ich auch meine Zeilen hier nicht tippen und euch praktisch in Echtzeit aus meinem 7500km entfernten temporären Wohnort berichten.

Jedenfalls war dann das Eis zwischen uns gebrochen und ich zeigte Natascha alle meine Bands auf meinem Ipod. Sie hatte wie es schien zwar noch nie ein solches Ding in ihren Händen gehalten, erkannte aber immer wieder ihr bekannte Gruppen und Interpreten. Das freute mich und zeigte mir, wie klein doch die Welt manchmal sein kann. Auch wenn hier keine Möglichkeit besteht, diese Bands live an Konzerten spielen zu hören und dies für viele auch ein Traum bleiben wird, ist die Musik an sich doch verfügbar und wird auch gehört. Auch viele populäre amerikanische Filme und Serien kennt man hier unter den Jugendlichen mit einer ähnlichen Selbstverständlichkeit wie in Westeuropa.

Somit ging wiederum ein sehr toller Tag zu Ende. Mittlerweile beginnt langsam die Anzahl an sehr guten Tagen die mühsamen Tage zu überbieten und die anfängliche dreiwöchige Durststrecke scheint beendet zu sein. Es ist mir klar, dass ich noch weiter mich um den Aufbau eines gewissen sozialen Netzwerkes bemühen muss und noch nicht "alles getan" ist, aber ich bin doch froh, dass nun diesbezüglich eine positive Entwicklung begonnen hat. Ich freue mich auf die nächsten drei Monate!

1 Kommentar:

Elli hat gesagt…

Ich wollte hier wohl einfach mal loswerden wie toll ich es finde, wie sehr du dich für die russische Sprache und Kultur interessierst!!!
Ich selbst bin etwas was man wohl eine eingedeutschte Russin nennt, aber meine Heimat werde ich nie und nimmer vergessen...