Ich meinte eigentlich, das Gefuehl zu kennen, welches man als Auslaender, also als Fremder in einem Land, welchem man auf Grund seiner staatlichen Herkunft nicht angehoert, fuehlt. Man kommt in ein fremdes Land, hat einige Schwierigkeiten mit den veraenderten Lebensumstaenden und versteht moeglicherweise die gesprochene Sprache nicht, oder zumindest nicht auf Anhieb. Kleinere Reibungen treten zwar auf, aber nach einer gewissen Zeit fuehlt man sich sogar schon ein bisschen heimisch, da man ja auch schon eine Weile in diesem Land gelebt hat. So habe ich es zumindest bis jetzt erlebt.
Gestern rief jedoch ein an sich banales Ereignis meine fremde Herkunft und damit Ungleichheit im Bezug auf die hier beheimateten Menschen schonungslos in mein Bewusstsein zurueck. Julia, Rita und Lara, drei Studentinnen mit denen ich schon viel unternommen habe, wollten mit mir zum Schlittschuhlaufen auf die Eisbahn. Ich war zwar in der vergangenen Woche bereits 2 Mal auf dem Eis, freute mich jedoch dennoch bei sonnigem Wetter auf einen erneuten Besuch der Eisbahn. Wir stellten uns also in die Menschentraube, welche vor der Schlittschuhausgabe dicht gedraengt darauf wartete, endlich bedient zu werden. Die Stimmung war hektisch und die Temperatur in diesem Raum unangenehm heiss. So freute ich mich schliesslich, nach geschaetzten 15 Minuten endlich an der Reihe zu sein und meine Schlittschuhe empfangen zu koennen. Meine Freude war jedoch nur von kurzer Dauer: Als Pfand muss man jeweils den Pass abgeben, und das hatte die letzten beiden Male auch geklappt, auch wenn der Mann bei der anderen Eisbahn keine lateinischen Buchstaben lesen konnte. Dieses Mal musterte die strenge kleine aeltere Dame meinen Pass kurz, und sagte mir dann trocken, sie nehme keine auslaendischen Paesse an.
Enttaeuscht stand ich danach am Rande der Eisbahn und schaute den Besitzern eines russischen Passes beim Eislaufen zu. Dieses Erlebnis zeigte mir einerseits, dass ich eben doch ein Fremder bin, und damit auch nicht immer gleichwertig behandelt werde, obwohl ich mich eigentlich nach diesen 2 Monaten schon ein wenig heimisch fuehle hier. Andererseits wurde dadurch auch der eher kindlich naive Wunsch nach der Gleichheit aller Menschen erweckt. Denn was ich hier in einem banalen und an sich nicht weiter schlimmen Erlebnis gefuehlt habe, geschieht wohl gerade auch in unserer europaeischen Gesellschaft jeden Tag tausendfach in weitaus ernsteren Situationen des alltaeglichen Lebens mit auslaendischen Staatsangehoerigen. Sollte eigentlich nicht sein.
Ansonsten war es trotz allem ein schoener Tag. Die Maedchen wollten sogar noch fuer mich andere Schlittschuhe von zu Hause organisieren, aber irgendwie hatte ich dann doch keine Lust mehr auf Schlittschuhlaufen. Und beim Gehen bemerkte ich, dass die beste Freundin von meiner Gastmutter Nina heute auch dort arbeitete - sie hatte mir beim ersten Besuch die Schlittschuhe ohne Pass organisiert. Ich hatte sie leider vorher nicht bemerkt. Naja, beim naechsten Mal dann!
Sonntag, 30. November 2008
Mittwoch, 26. November 2008
"Ich lerne Deutsch wegen Tokio Hotel"


Gestern hatte ich wiedermal die Gelegenheit, an einem neuen Ort ueber meine Heimat zu erzaehlen und den deutsch Lernenden die Konversation mit einem echten Muttersprachler zu ermoeglichen. Maja hatte mich in die Schule eingeladen, wo sie frueher auch den Deutschunterricht besuchte. Die Institution heisst "Kleine Akademie der Wissenschaften" und bietet Schuelern in der Freizeit die Moeglichkeit, Kurse in verschiedenen Faechern, wie zum Beispiel, Deutsch zu besuchen.
Ich traf dort auf die supernette Deutschlehrerin Valentina Dorzhjevna, welche ihren Schuelern mit sehr viel Freude und Engagement die deutsche Sprache naeherzubringen versucht. Fuer sie war es nicht der erste Kontakt mit einem Gast aus der Schweiz, sie hatte vor mir schon einige Besucher aus der Schweiz empfangen duerfen. Sie freute sich trotzdem riesig ueber meinen Besuch in ihrer Klasse. Da die Schuelerinnen (ausser einem Jungen NUR Maedchen) erst seit 2 Monaten deutsch lernen, fuehrten wir die meisten Konversationen auf russisch, was mir natuerlich vor allem auch sprachlich viel bringt. Neben den ueblichen Fragen ueber die Schweiz und meine Person seitens der Schuelerinnen, fragte ich die etwa 15 jaehrigen Schueler nach dem Grund, der sie dazu bewegt hat, Deutsch lernen zu wollen.
Der einzige Junge, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe (ich lerne jeden Tag sehr viele neuen Leute kennen, da ist es nicht immer moeglich, ALLE Namen im Gedaechtnis zu behalten), gab als Motivation ein starkes Interesse fuer die deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert an, und gab danach einige Namen von geschichtstraechtigen Personen an, die ich selbst noch nie gehoert hatte. Er wirkte eher speziell und leicht verschlossen auf mich. Naja, Interessen sind verschieden.
Neben der Schoenheit der deutschen Sprache gab es fuer viele der Maedchen auch einen anderen wichtigen Grund, welchen ich auch auf einem an der Wand haengenden Poster erkennen konnte: Die deutsche Kiddieband "Tokio Hotel". Ich verkniff mir eher niederschmetternden Bemerkungen dazu und behielt meine Meinung fuer mich. Aber wenigstens hat es diese doch nicht allzu tolle Gruppe geschafft, Maedchen fuer die deutsche Sprache zu motivieren. Das ist ja auch eine Art kultureller Beitrag. Indirekt.
Die Lehrerin freute sich so ueber meinen Besuch, dass sie mich fuer heute gleich nochmals zu sich in ihre Akademie einlud. Ich werde also heute Nachmittag nochmals dorthin gehen. Ist fuer mich auch nicht aufwaendig, das Gebaeude liegt gleich in meiner Nachbarschaft.
Sonntag, 23. November 2008
Musikentzug

Ich bin ja eigentlich hier in Ulan-Ude sehr gluecklich und habe alles, was ich brauche und will: Freunde, ausgefuellte selten langweilige Tage, eine gute Unterkunft mit immer genuegend Essbarem und einer netten Familie, eine Gitarre, taeglichen Internetzugang, meinen Ipod, warme Kleider und was man sonst noch so braucht.
ABER etwas fehlt mir. Ein wenig zumindest.
Waehrend ich zu Hause jeweils fast taeglich ueber verschiedene Quellen mich mit neuer interessanter Musik versorgte und meinen Ipod so sehr oft mit guter Nahrung versorgen konnte, bleibt mir diese Moeglichkeit hier weitgehend verwehrt. Einerseits ist "gute Musik" hier weniger einfach zugaenglich und populaer wie im multikulturellen anglifizierten Europa. Und andererseits sind fuer mich die technischen Mittel fuer die Fuetterung meiner portablen Musiksammlung nicht gerade ideal. So merke ich langsam, wie sich das Beduerfnis nach neuer Musik anmeldet. Nicht dass ich auf meinem Ipod schon alles 10 mal durchgehoert haette, viel davon hoerte ich wahrscheinlich erst ein zwei mal, aber ich lese jeweils im Internet von vielen neuen tollen Veroeffentlichungen, die ich gerne auch mit mir rumtragen wuerde. Auf Myspace-Music Profilen im Internetcafe den neusten heissen Scheiss zu hoeren ist halt doch eine eher duerftige Zwischenloesung. Aber ja, ich weiss. Luxusprobleme! Ich kann auch gut ohne leben.
Eines dieser Alben, welches den Sprung auf meinen Ipod momentan leider nicht schaffen kann, ist das neue Album The Colour Of Snow von Polarkreis 18. Wunderbar euphorische und leicht sphaerische Musik, die auch sehr gut zu meiner winterlich kalten Umgebung passen wuerde. Und das Cover gefaellt mir gerade sehr, auch wenn es momentan bei uns eher "warm" ist. Und keine Angst, ich werde nicht in einem Eisblock enden. Hier gibt es ueberall Heizungen und so.
Oder das Heureka von Tomte, welches leider gerade ein paar wenige Tage nach meiner Abreise verfuegbar wurde. Tja. Es warten ja noch 40 GB Musik von anderen Interpreten darauf, gehoert zu werden. Werde das schon ueberleben. Glaube ich.
Russische Spontanitaet
Man hat mich bereits vor meiner Abreise vorgewarnt: In Russland ist die schweizerische Art der Durchgeplantheit und Puenktlichkeit im Tagesablauf selten anzutreffen. Genaue Fahrplaene oder aehnliches gibt es meist nur im ueberregionalen Zug- oder Flugverkehr, wohingegen in der Schweiz jede noch so unbedeutende Busverbindung einen auf die Minute genau festgesetzten Fahrplan besitzt. Bei Verspaetungen klingeln gleich die Telefone in den SBB-Bueros. Hier ist das anders, man steht einfach einmal an die Haltestelle und wartet, bis das gewuenschte Verkehrsmittel vorfaehrt. Manchmal sind gar sportliche Hoechstleistungen erforderlich, um die Fahrer der Minibusse auf sein Mitfahrbeduerfnis aufmerksam zu machen. Ich finde das gar nicht so schlimm, man muss halt ein paar Minuten Reserve einsparen, gleichzeitig sitzt einem nicht die Angst im Ruecken, eine Minuten zu spaet zu kommen und so seinen Bus zu verpassen.
Diese Spontanitaet findet sich nicht nur im oeffentlichen Verkehr, sondern auch in den meisten anderen Alltagsdomaenen. Gestern war wieder ein solcher Tag. Urspruenglich hatten mir vor ein paar Tagen die selben Studentinnen, mit denen ich schon im ethnographischen Museum gewesen war, vorgeschlagen, am Samstag gemeinsam ins Iwolginsker Dazan, das Zentrum des Buddhismus in Russland, zu fahren. Am Freitag aenderten sie jedoch ploetzlich ihren Plan und schlugen vor, stattdessen ins oertliche Museum zu gehen, wo eine Ausstellung mit Fotos der Baikalsees zu sehen ist. Ich stellte mich also darauf ein und liess daher meine Kamera zu Hause. Als ich jedoch zur vereinbarten Zeit mich mit den Maedchen getroffen hatte, wollten sie ploetzlich trotzdem ins Dazan fahren. Also machten wir einen weiten Umweg ueber meinen Wohnort, um die Kamera zu holen, denn ohne sie wollte ich nicht dorthin fahren.
Danach liefen wir durch die Stadt zum Busbahnhof, wo wir den Bus nach Iwolginsk nehmen wollten. Dort angekommen merkten wir jedoch, dass wir noch etwas auf den Bus warten muessten und dass die Fahrt ziemlich lange und umstaendlich sein wuerde. Also aenderten meine Begleiterinnen ihre Meinung wiederum, und schlugen vor, auf irgendeinen schoenen Huegel am Stadtrand zu fahren, wo man eine gute Aussicht auf die Stadt haben wuerde. Soweit kam es dann aber doch nicht: Beim warten auf den anderen Bus, der uns dorthin gebracht haette, wurde diese Idee wiederum verworfen.
Schlussendlich gingen wir dann doch ins Museum! Die Fotos vom grossen See gefielen mir sehr gut, spontan fuehlte ich mich durch die Berge und die riesige Wasserflaeche an norwegische Fjorde erinnert, ich muss mich also endlich einmal mit der konkreten Planung meines Ausfluges an den Baikal beschaeftigen. Im Sommer und Herbst sind zwar die Farben und Lichtspiele interessanter, aber die winterliche Ruhe und die Eisformationen sind sicherlich auch sehr faszinierend.
Als wir spaeter noch in einen Buchladen gingen, hatte ich wieder einmal eine dieser interessanten Begegnungen mit einem Einheimischen: Ein nicht mehr ganz junger Herr sass dort in einer Ecke und las irgendwelche Buecher. Als ich in der Naehe mit einer der Studentinnen ueber die Buecher im Regal sprach, hoerte ich ploetzlich von hinten in einem breiten amerikanischen Akzent: "Are you from America?"
Der lesende Mann hatte wohl an meinem nicht ganz akzentfreien russisch und einzelnen Fremdsprachigen Woertern, die ich sagte, gemerkt, dass ich kein Russe bin. Ich erklaerte ihm in einer Mischung aus Russisch und Englisch, dass ich aus der Schweiz komme. Er zeigte mir voller Stolz ein Englischlehrbuch fuer American English, welches er wohl schon vorher eifrig studiert hatte. Er fragte mich dann weiter, ob ich auch Franzoesisch spreche. Ich bejahte. Darauf hin verschwand er in Richtung eines der Buechgestelle und kam mit einem Franzoesischlehrbuch wieder, welches er mir voller Freude zeigte. Er wollte mich daraufhin ueberzeugen, dass ich dieses Buch unbedingt kaufen solle, aber ich versicherte ihm, dass ich die Sprache schon gut beherrsche und mir ein russischsprachiges Franzoesischlehrbuch daher nicht wirklich viel bringt. Er freute sich trotzdem sehr ueber unsere Begegnung und fragte zum Abschluss noch in doch nicht mehr ganz so akzentfreien Englisch nach meinem Namen und nannte mir auch seinen. Juri. Sehr angenehm. Danach verliessen wir jedoch den Laden, da ich keine Lust mehr hatte, weitere Fremdsprachenlehrbuecher angedreht bekommen. Aber er meinte es eigentlich nur gut, war ja kein Verkaeufer.
Diese Spontanitaet findet sich nicht nur im oeffentlichen Verkehr, sondern auch in den meisten anderen Alltagsdomaenen. Gestern war wieder ein solcher Tag. Urspruenglich hatten mir vor ein paar Tagen die selben Studentinnen, mit denen ich schon im ethnographischen Museum gewesen war, vorgeschlagen, am Samstag gemeinsam ins Iwolginsker Dazan, das Zentrum des Buddhismus in Russland, zu fahren. Am Freitag aenderten sie jedoch ploetzlich ihren Plan und schlugen vor, stattdessen ins oertliche Museum zu gehen, wo eine Ausstellung mit Fotos der Baikalsees zu sehen ist. Ich stellte mich also darauf ein und liess daher meine Kamera zu Hause. Als ich jedoch zur vereinbarten Zeit mich mit den Maedchen getroffen hatte, wollten sie ploetzlich trotzdem ins Dazan fahren. Also machten wir einen weiten Umweg ueber meinen Wohnort, um die Kamera zu holen, denn ohne sie wollte ich nicht dorthin fahren.
Danach liefen wir durch die Stadt zum Busbahnhof, wo wir den Bus nach Iwolginsk nehmen wollten. Dort angekommen merkten wir jedoch, dass wir noch etwas auf den Bus warten muessten und dass die Fahrt ziemlich lange und umstaendlich sein wuerde. Also aenderten meine Begleiterinnen ihre Meinung wiederum, und schlugen vor, auf irgendeinen schoenen Huegel am Stadtrand zu fahren, wo man eine gute Aussicht auf die Stadt haben wuerde. Soweit kam es dann aber doch nicht: Beim warten auf den anderen Bus, der uns dorthin gebracht haette, wurde diese Idee wiederum verworfen.
Schlussendlich gingen wir dann doch ins Museum! Die Fotos vom grossen See gefielen mir sehr gut, spontan fuehlte ich mich durch die Berge und die riesige Wasserflaeche an norwegische Fjorde erinnert, ich muss mich also endlich einmal mit der konkreten Planung meines Ausfluges an den Baikal beschaeftigen. Im Sommer und Herbst sind zwar die Farben und Lichtspiele interessanter, aber die winterliche Ruhe und die Eisformationen sind sicherlich auch sehr faszinierend.
Als wir spaeter noch in einen Buchladen gingen, hatte ich wieder einmal eine dieser interessanten Begegnungen mit einem Einheimischen: Ein nicht mehr ganz junger Herr sass dort in einer Ecke und las irgendwelche Buecher. Als ich in der Naehe mit einer der Studentinnen ueber die Buecher im Regal sprach, hoerte ich ploetzlich von hinten in einem breiten amerikanischen Akzent: "Are you from America?"
Der lesende Mann hatte wohl an meinem nicht ganz akzentfreien russisch und einzelnen Fremdsprachigen Woertern, die ich sagte, gemerkt, dass ich kein Russe bin. Ich erklaerte ihm in einer Mischung aus Russisch und Englisch, dass ich aus der Schweiz komme. Er zeigte mir voller Stolz ein Englischlehrbuch fuer American English, welches er wohl schon vorher eifrig studiert hatte. Er fragte mich dann weiter, ob ich auch Franzoesisch spreche. Ich bejahte. Darauf hin verschwand er in Richtung eines der Buechgestelle und kam mit einem Franzoesischlehrbuch wieder, welches er mir voller Freude zeigte. Er wollte mich daraufhin ueberzeugen, dass ich dieses Buch unbedingt kaufen solle, aber ich versicherte ihm, dass ich die Sprache schon gut beherrsche und mir ein russischsprachiges Franzoesischlehrbuch daher nicht wirklich viel bringt. Er freute sich trotzdem sehr ueber unsere Begegnung und fragte zum Abschluss noch in doch nicht mehr ganz so akzentfreien Englisch nach meinem Namen und nannte mir auch seinen. Juri. Sehr angenehm. Danach verliessen wir jedoch den Laden, da ich keine Lust mehr hatte, weitere Fremdsprachenlehrbuecher angedreht bekommen. Aber er meinte es eigentlich nur gut, war ja kein Verkaeufer.
Dienstag, 18. November 2008
Kalt, kälter, Sibirien!
Gut, dass es kalt wird wusste ich schon im Voraus. Wenn jemand das Wort "Sibirien" ausspricht, assozieren wir das oft mit Kaelte. Zu Beginn meiner Zeit hier empfand ich jedoch die Temperaturen von 0 bis -10 Grad nie wirklich als kalt, mit einem guten Mantel, leichten Handschuhen und Muetze hatte war es mir sogar eher manchmal zu warm.
Nun bemerke ich aber langsam, wie sich die sibirische Kaelte wirklich anfuehlt. Als ich heute morgen zu Fuss zur Uni ging, zeigte das Thermometer auf dem Sowjetplatz bereits -21 Grad an, was sich auch entsprechend kuehl anfuehlte. Vor allem der beissende Wind, der einem allzuoft die Kaelte ins ungeschuetzte Gesicht peitscht, macht die Kerze schonungslos spuerbar. Gestern habe ich mir neue Lederhandschuhe gekauft, da die bei uns gelaeufigen eher duennen Stoffhandschuhe bei solchen Verhaeltnissen nicht wirklich viel ausrichten koennen. Und seit heute trage ich nun unter meinen Jeans eine zweite Stoffschicht - ich moechte ja vielleicht irgendwann noch Kinder, oderso.
Mit diesen Massnahmen und 2-3 Pullovern unter dem Wintermantel ertraegt man diese Kaelte sehr gut, nur das Gesicht ist ungeschuetzt, was mir momentan noch etwas Muehe bereitet. Aber daran gewoehnt man sich wahrscheinlich auch irgendwann. Und sonst viel Tee trinken, dann kommt das schon gut. Und im Volksmund heisst es, ein richtiger Sibirjake sei nicht jemand, der nie friert, sondern jemand, der sich richtig kleidet. Die Menschen hier sind also auch keine Eisbaeren.
Die Kaelte hat auch ihre schoenen Seiten. An den meisten Fensterscheiben bilden sich wunderschoene Eiskristalle, die bald so dick sein werden, dass man die Strasse aus gewissen Raeumen nicht mehr erkennen kann. Wenn die Sonne dann in diese Eisschicht hineinscheint, sieht das wunderschoen aus. Werde ich fotografieren, irgendwann. Und als ich heute nach dem Unterricht die Uni verliess, fielen klitzekleine Eiskristalle vom Himmel, die in der Sonne glitzern und so eine spezielle Atmosphaere erzeugen. Bis kannte ich solche Kaelte und ihre Erzeugnisse nur von gelegentlichen kalten Skitagen in den Bergen oder von irgendwelchen Filmen aus polaren Regionen. Jetzt erlebe ich sie live!
Ich mag Kaelte sehr, solange ich richtig gekleidet bin und nicht friere.
Nun bemerke ich aber langsam, wie sich die sibirische Kaelte wirklich anfuehlt. Als ich heute morgen zu Fuss zur Uni ging, zeigte das Thermometer auf dem Sowjetplatz bereits -21 Grad an, was sich auch entsprechend kuehl anfuehlte. Vor allem der beissende Wind, der einem allzuoft die Kaelte ins ungeschuetzte Gesicht peitscht, macht die Kerze schonungslos spuerbar. Gestern habe ich mir neue Lederhandschuhe gekauft, da die bei uns gelaeufigen eher duennen Stoffhandschuhe bei solchen Verhaeltnissen nicht wirklich viel ausrichten koennen. Und seit heute trage ich nun unter meinen Jeans eine zweite Stoffschicht - ich moechte ja vielleicht irgendwann noch Kinder, oderso.
Mit diesen Massnahmen und 2-3 Pullovern unter dem Wintermantel ertraegt man diese Kaelte sehr gut, nur das Gesicht ist ungeschuetzt, was mir momentan noch etwas Muehe bereitet. Aber daran gewoehnt man sich wahrscheinlich auch irgendwann. Und sonst viel Tee trinken, dann kommt das schon gut. Und im Volksmund heisst es, ein richtiger Sibirjake sei nicht jemand, der nie friert, sondern jemand, der sich richtig kleidet. Die Menschen hier sind also auch keine Eisbaeren.
Die Kaelte hat auch ihre schoenen Seiten. An den meisten Fensterscheiben bilden sich wunderschoene Eiskristalle, die bald so dick sein werden, dass man die Strasse aus gewissen Raeumen nicht mehr erkennen kann. Wenn die Sonne dann in diese Eisschicht hineinscheint, sieht das wunderschoen aus. Werde ich fotografieren, irgendwann. Und als ich heute nach dem Unterricht die Uni verliess, fielen klitzekleine Eiskristalle vom Himmel, die in der Sonne glitzern und so eine spezielle Atmosphaere erzeugen. Bis kannte ich solche Kaelte und ihre Erzeugnisse nur von gelegentlichen kalten Skitagen in den Bergen oder von irgendwelchen Filmen aus polaren Regionen. Jetzt erlebe ich sie live!
Ich mag Kaelte sehr, solange ich richtig gekleidet bin und nicht friere.
Sonntag, 16. November 2008
Es gibt Momente...
... da fuehlt man richtiggehend, wie sich ein alles beruhigender Frieden in einem Raum ausbreitet. Gestern Abend hatte ich das Glueck, Teil eines solchen seltenen Momentes zu sein.
Nach einem tollen Tag im Ethnographischen Museum war ich ziemlich zufrieden nach Hause zurueckgekehrt, wo ich mich etwas erholen wollte.
Bald kamen auch Nina und ihre Freundin Lydia nach Hause. Nina bereitete ein schmackhaftes Abendessen vor, welches wir schliesslich zu dritt am Tisch verspeisten. Dazu gab es fuer die Frauen wie noch ziemlich haeufig bei solchen Anlaessen Wodka und fuer mich Weisswein - Nina meint, Wodka sei nur etwas fuer aeltere Semester. Beim Trinken gibt es sehr viele kleine Regeln und Traditionen, welche hier noch einen hohen Stellenwert geniessen. So gilt beispielsweise die dritte Trinkrunde der Liebe; man nimmt das Glas nicht wie ueblich in die rechte, sondern in die linke Hand, da diese auf der Seite des Herzens liegt. Und nach dem Austrinken legt man das Glas mit der Oberseite nach Unten auf den Tisch und wartet einige Zeit, bis man es wieder umkehrt und nachschaut, welche Zeichnung die Restfluessigkeit auf dem Tischtuch hinterlassen hat. Erkennt man einen geschlossenen Kreis oder gar eine runde kleine Pfuetze, so soll einen in naeherer Zukunft das Liebesglueck erreichen. Bei mir war ein grosser geschlossener Kreis erkennbar. Mir blueht also viel Liebe. Hoffen wir, dass da etwas Wahres dran ist.
Nach einigen Runden Wodka wollte Nina singen, und bat mich darum, meine Gitarre zu holen, um sie beim Singen zu begleiten. Ich begleitete also ein russisches Volkslied so gut es ging, was zu einer sehr angenehmen Atmosphaere fuehrte. Bald baten mich die beiden Frauen darum, ihnen selbst ein Lied aus meiner Heimat vorzusingen. Es kostete mich etwas Ueberwindung, doch ich sang ihnen schliesslich eines meiner Lieblingslieder vor - Tocotronic, Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit. Sie waren sehr erfreut und gluecklich ueber meinen musikalischen Beitrag und wollten noch mehr hoeren. So verbrachten wir schliesslich den ganzen Abend bei Kerzenlicht im Wohnzimmer mit Singen und Gitarrenspiel. Dabei legte sich eine extrem friedliche Stimmung ueber unsere kleine Gesellschaft. Lydia und Nina verspuerten durch mein melancholisches Gitarrenspiel eine gewisse Ruehrung, welche mich wiederum sehr gluecklich machte. Eine solche grenzueberscheitende Kraft kann nur Musik verspruehen, glaube ich. Musik, die zwar nicht perfekt ist, aber von Herzen kommt.
Ja, und eigentlich wollte ich ja an diesem Abend in die Disco. Ich bin jedoch im Nachhinein froh, dass dies nicht zu stande gekommen ist und ich stattdessen Teil eines solch schoenen Momentes der Menschlichkeit werden konnte.
Nach einem tollen Tag im Ethnographischen Museum war ich ziemlich zufrieden nach Hause zurueckgekehrt, wo ich mich etwas erholen wollte.
Bald kamen auch Nina und ihre Freundin Lydia nach Hause. Nina bereitete ein schmackhaftes Abendessen vor, welches wir schliesslich zu dritt am Tisch verspeisten. Dazu gab es fuer die Frauen wie noch ziemlich haeufig bei solchen Anlaessen Wodka und fuer mich Weisswein - Nina meint, Wodka sei nur etwas fuer aeltere Semester. Beim Trinken gibt es sehr viele kleine Regeln und Traditionen, welche hier noch einen hohen Stellenwert geniessen. So gilt beispielsweise die dritte Trinkrunde der Liebe; man nimmt das Glas nicht wie ueblich in die rechte, sondern in die linke Hand, da diese auf der Seite des Herzens liegt. Und nach dem Austrinken legt man das Glas mit der Oberseite nach Unten auf den Tisch und wartet einige Zeit, bis man es wieder umkehrt und nachschaut, welche Zeichnung die Restfluessigkeit auf dem Tischtuch hinterlassen hat. Erkennt man einen geschlossenen Kreis oder gar eine runde kleine Pfuetze, so soll einen in naeherer Zukunft das Liebesglueck erreichen. Bei mir war ein grosser geschlossener Kreis erkennbar. Mir blueht also viel Liebe. Hoffen wir, dass da etwas Wahres dran ist.
Nach einigen Runden Wodka wollte Nina singen, und bat mich darum, meine Gitarre zu holen, um sie beim Singen zu begleiten. Ich begleitete also ein russisches Volkslied so gut es ging, was zu einer sehr angenehmen Atmosphaere fuehrte. Bald baten mich die beiden Frauen darum, ihnen selbst ein Lied aus meiner Heimat vorzusingen. Es kostete mich etwas Ueberwindung, doch ich sang ihnen schliesslich eines meiner Lieblingslieder vor - Tocotronic, Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit. Sie waren sehr erfreut und gluecklich ueber meinen musikalischen Beitrag und wollten noch mehr hoeren. So verbrachten wir schliesslich den ganzen Abend bei Kerzenlicht im Wohnzimmer mit Singen und Gitarrenspiel. Dabei legte sich eine extrem friedliche Stimmung ueber unsere kleine Gesellschaft. Lydia und Nina verspuerten durch mein melancholisches Gitarrenspiel eine gewisse Ruehrung, welche mich wiederum sehr gluecklich machte. Eine solche grenzueberscheitende Kraft kann nur Musik verspruehen, glaube ich. Musik, die zwar nicht perfekt ist, aber von Herzen kommt.
Ja, und eigentlich wollte ich ja an diesem Abend in die Disco. Ich bin jedoch im Nachhinein froh, dass dies nicht zu stande gekommen ist und ich stattdessen Teil eines solch schoenen Momentes der Menschlichkeit werden konnte.
Offizier Ewgenji Sergejewitsch Rebrin
Freitagnachmittag. Ich sitze im Internetcafe und schaue gerade, was in der Heimat so neues geschehen ist (nicht wirklich viel Erwaehnenswertes) und schreibe nebenbei noch ein paar Emails. Nach etwa 10 Minuten spricht mich ploetzlich mein linker Sitznachbar an. Zuerst verstehe ich nicht was er meint, und denke mir schon, dass ich ihn moeglicherweise irgendwie gestoert haben koennte oder so. Durch seine authoritaer wirkende militaerische Uniform werde ich zusaetzlich etwas verunsichert.
Schnell stellt sich jedoch heraus, dass er einfach nur an einem Gespraech interessiert ist. Durch meine ziemlich schnelle Tippgeschwindigkeit auf mich aufmerksam gemacht, hat er bei einem kurzen Blick auf meinen Bildschirm gemerkt, dass ich nicht auf Russisch schreibe und lese, und wollte dadurch erfahren, wer ich bin und woher ich komme. Als ich ihm erzaehle, dass ich auf Deutsch schreibe, denkt er zuerst ich sei aus Deutschland, was ich jedoch schnell verneine. Nachdem ich ihm erzaehlt habe, dass ich aus der Schweiz komme, hat er zuerst gewisse Schwierigkeiten zu verstehen, dass die Schweiz und Schweden zwei grundverschiedene Laender sind, auch wenn sie auf Russisch fast gleich geschrieben und ausgesprochen sind. Wie fast jeder Einheimische, will er auch wissen, was mich ueberhaupt dazu bewegt hat, in die sibirische "Kleinstadt" Ulan-Ude zu reisen und was ich hier genau tue.
Unser Gespraech wurde schliesslich so interessant, dass fuer uns das Geschehen auf unseren Bildschirmen zweitrangig wurde. Vor allem seinerseits kamen sehr viele Fragen ueber mich und meine Heimat, da es fuer ihn das erste Gespraech mit einem Auslaender war, wie er mir sagte! Er stammt aus einer Kleinstadt am Baikalsee und kam erst fuer Arbeit und Studium nach Ulan-Ude. Nun dient er jedoch bereits seit etwa 8 Jahren in der Armee, er hatte nach seiner (frueher) zweijaehrigen obligatorischen Dienstzeit beschlossen, die Offizierslaufbahn einzulschagen und somit mit dem Dienst in der Armee sein Geld fuer sich und seine kleine Familie bestehend aus seiner Ehefrau und einem 2 jaehrigen Sohn zu verdienen. Ewgenji ist bereits 29 Jahre alt.
Er war schliesslich so erfreut ueber unsere spontane Bekanntschaft, dass er mich spontan ins Cafe zum gemeinsamen "Posi" essen und Bier trinken einlud. Fuer ihn, der sonst Auslaender nur aus dem Fernsehen kannte, war diese Begegnung etwas sehr Spezielles und wohl auch Horizonterweiterndes, und auch fuer mich war unser Gespraech sehr interessant und eindruecklich, da ich wohl sonst nie auf die Idee gekommen waere, mit einem auf mich eher einschuechternd wirkenden uniformierten russischen Soldaten zu sprechen. Gegen Ende unseres Gespraechs hatte sich die Kulturbarriere zwischen uns massiv minimiert und ich habe einmal mehr gemerkt, dass der Mensch eigentlich ueberall auf der Welt aehnlich tickt und die gleichen Beduerfnisse, Traeume und Aengste hat.
Ich schaetze solche spontanen Begegnungen mit einfachen russischen Leuten sehr, da sie jeweils gegenseitig einiges zum Abbau altbekannter Vorurteile und Beruehrungsaensten zwischen verschiedenen Voelkern und Kulturen beitragen. Ich erweitere hier also nicht nur meinen sprachlichen Erfahrungsschatz, sondern auch meinen menschlichen.
Schnell stellt sich jedoch heraus, dass er einfach nur an einem Gespraech interessiert ist. Durch meine ziemlich schnelle Tippgeschwindigkeit auf mich aufmerksam gemacht, hat er bei einem kurzen Blick auf meinen Bildschirm gemerkt, dass ich nicht auf Russisch schreibe und lese, und wollte dadurch erfahren, wer ich bin und woher ich komme. Als ich ihm erzaehle, dass ich auf Deutsch schreibe, denkt er zuerst ich sei aus Deutschland, was ich jedoch schnell verneine. Nachdem ich ihm erzaehlt habe, dass ich aus der Schweiz komme, hat er zuerst gewisse Schwierigkeiten zu verstehen, dass die Schweiz und Schweden zwei grundverschiedene Laender sind, auch wenn sie auf Russisch fast gleich geschrieben und ausgesprochen sind. Wie fast jeder Einheimische, will er auch wissen, was mich ueberhaupt dazu bewegt hat, in die sibirische "Kleinstadt" Ulan-Ude zu reisen und was ich hier genau tue.
Unser Gespraech wurde schliesslich so interessant, dass fuer uns das Geschehen auf unseren Bildschirmen zweitrangig wurde. Vor allem seinerseits kamen sehr viele Fragen ueber mich und meine Heimat, da es fuer ihn das erste Gespraech mit einem Auslaender war, wie er mir sagte! Er stammt aus einer Kleinstadt am Baikalsee und kam erst fuer Arbeit und Studium nach Ulan-Ude. Nun dient er jedoch bereits seit etwa 8 Jahren in der Armee, er hatte nach seiner (frueher) zweijaehrigen obligatorischen Dienstzeit beschlossen, die Offizierslaufbahn einzulschagen und somit mit dem Dienst in der Armee sein Geld fuer sich und seine kleine Familie bestehend aus seiner Ehefrau und einem 2 jaehrigen Sohn zu verdienen. Ewgenji ist bereits 29 Jahre alt.
Er war schliesslich so erfreut ueber unsere spontane Bekanntschaft, dass er mich spontan ins Cafe zum gemeinsamen "Posi" essen und Bier trinken einlud. Fuer ihn, der sonst Auslaender nur aus dem Fernsehen kannte, war diese Begegnung etwas sehr Spezielles und wohl auch Horizonterweiterndes, und auch fuer mich war unser Gespraech sehr interessant und eindruecklich, da ich wohl sonst nie auf die Idee gekommen waere, mit einem auf mich eher einschuechternd wirkenden uniformierten russischen Soldaten zu sprechen. Gegen Ende unseres Gespraechs hatte sich die Kulturbarriere zwischen uns massiv minimiert und ich habe einmal mehr gemerkt, dass der Mensch eigentlich ueberall auf der Welt aehnlich tickt und die gleichen Beduerfnisse, Traeume und Aengste hat.
Ich schaetze solche spontanen Begegnungen mit einfachen russischen Leuten sehr, da sie jeweils gegenseitig einiges zum Abbau altbekannter Vorurteile und Beruehrungsaensten zwischen verschiedenen Voelkern und Kulturen beitragen. Ich erweitere hier also nicht nur meinen sprachlichen Erfahrungsschatz, sondern auch meinen menschlichen.
Freitag, 14. November 2008
Говорить по-русски
Es ist eher nutzlos, wenn ich gewisse Titel auf Russisch schreibe, aber vielleicht könnt ihr sie ja sogar entziffern und so ein wenig Russisch lernen. Oder so tun wie wenn. Jedenfalls spreche ich momentan viel öfters Russisch als Deutsch, was anfangs noch überhaupt nicht der Fall war. Mit den Lehrern und Studenten unterhalte ich mich nun prinzipiell auf Russisch, obwohl ich die Möglichkeit hätte, sie auf deutsch vollzuquatschen. Nur ab und zu weiche ich für einzelne kleine Wörter oder schwierige Erklärungen noch auf die deutsche Sprache aus.
Manchmal ertappe ich mich sogar dabei, wie ich gewisse einfachen Gedankengänge auf Russisch durchführe, oder mir ein einzelnes Wort zuerst auf Russisch oder erst dann auf Deutsch einfällt, was natürlich durch meine beinahe rein russische Alltagsumgebung zurückzuführen ist und für mich für das Erlernen der Sprache ausgezeichnet ist.
Die Alltagssprache und Strassensprache beherrsche ich also schon ziemlich gut. Klar schleichen sich immer wieder grammatikalische Fehler ein, aber prinzipiell kann ich mich schon einigermassen gut auf einfache Art und Weise ausdrücken, und verstehe auch mein Gegenüber in den meisten Alltagssituationen. Dies erlaubte mir auch, diese Woche mit einer Studentengruppe der Kulturakademie, welcher ich auf Bitte Ninas hin ein wenig über die Schweiz erzählte, ausnahmslos Russisch zu sprechen. Ich hatte auch keine andere Wahl; die Gruppe beherrschte keine Fremdsprachen. Solche Erfahrungen freuen mich jeweils sehr, weil ich dabei merke, dass ich die Sprache bereits in beschränkten Masse praktisch anwenden kann und auch Informationen oder Wissen in dieser Sprache übermitteln kann, was für mich essentiell erscheint. Ich muss nicht mehr ständig jedes Wort 5 mal bedenken, bevor ich es ausspreche, sondern rede mehr oder weniger fliessend vor mich hin.
Jedoch muss man auch realistisch bleiben und einsehen, dass ich noch lange kein hohes literarisches Sprachniveau erreichen werde. Sobald ich Bücher oder Zeitungen lesen muss, verstehe ich bestenfalls die Überschriften und einzelne Wörter. Literarische und alltägliche Sprache sind definitiv zwei verschiedene Domänen. Ich bin aber trotzdem sehr froh und auch ein wenig stolz darüber, dass ich mich zumindest in der alltäglichen Sprache nach so kurzer Zeit schon verhältnismässig gut zurechtfinde.
Manchmal ertappe ich mich sogar dabei, wie ich gewisse einfachen Gedankengänge auf Russisch durchführe, oder mir ein einzelnes Wort zuerst auf Russisch oder erst dann auf Deutsch einfällt, was natürlich durch meine beinahe rein russische Alltagsumgebung zurückzuführen ist und für mich für das Erlernen der Sprache ausgezeichnet ist.
Die Alltagssprache und Strassensprache beherrsche ich also schon ziemlich gut. Klar schleichen sich immer wieder grammatikalische Fehler ein, aber prinzipiell kann ich mich schon einigermassen gut auf einfache Art und Weise ausdrücken, und verstehe auch mein Gegenüber in den meisten Alltagssituationen. Dies erlaubte mir auch, diese Woche mit einer Studentengruppe der Kulturakademie, welcher ich auf Bitte Ninas hin ein wenig über die Schweiz erzählte, ausnahmslos Russisch zu sprechen. Ich hatte auch keine andere Wahl; die Gruppe beherrschte keine Fremdsprachen. Solche Erfahrungen freuen mich jeweils sehr, weil ich dabei merke, dass ich die Sprache bereits in beschränkten Masse praktisch anwenden kann und auch Informationen oder Wissen in dieser Sprache übermitteln kann, was für mich essentiell erscheint. Ich muss nicht mehr ständig jedes Wort 5 mal bedenken, bevor ich es ausspreche, sondern rede mehr oder weniger fliessend vor mich hin.
Jedoch muss man auch realistisch bleiben und einsehen, dass ich noch lange kein hohes literarisches Sprachniveau erreichen werde. Sobald ich Bücher oder Zeitungen lesen muss, verstehe ich bestenfalls die Überschriften und einzelne Wörter. Literarische und alltägliche Sprache sind definitiv zwei verschiedene Domänen. Ich bin aber trotzdem sehr froh und auch ein wenig stolz darüber, dass ich mich zumindest in der alltäglichen Sprache nach so kurzer Zeit schon verhältnismässig gut zurechtfinde.
Donnerstag, 13. November 2008
Die Frau im Supermarkt
Fast jeden Tag kaufe ich auf dem Heimweg von der Universität in einem Supermarkt zwischen dem Stadtzentrum und meinem Quartier einige Kleinigkeiten. Fruchtsaft, Brötchen, Schokolade oder andere Zwischenverpflegungen. Wenn man in Russland ein Geschäft betritt, muss man zuerst seine Tasche einschliessen oder an einer bedienten Theke abgeben, damit man auch ja nicht in die Versuchung kommt, den Laden leerzuklauen.
Im Sputnik, dem oben beschriebenen Laden, gibt es eine bediente Theke, wo eine freundliche ältere Frau jeweils meine Tasche in Empfang nimmt und nach meinem Einkauf nach der Rückgabe meiner Nummernplakette wieder aushändigt. Diese Frau strahlt jeweils, während sie sich mir und meiner Tasche zuwendet, eine extrem sympathische Ruhe in ihrem Blick aus. Ich kann in ihren Augen lesen, dass sie mich durch mein regelmässiges Kommen schon vom sehen her zu kennen scheint, aber gleichzeitig auch gerne wissen möchte, wer ich eigentlich bin. Sie hat wohl gemerkt, dass russisch nicht meine Muttersprache ist, und dass ich eigentlich aus einer ihr ganz fremden Welt komme, und würde insgeheim sicherlich gerne erfahren, welchen Ort in welchem ich meine Heimat nenne. Ich habe dieses Interesse in letzter Zeit oft bemerkt, und es kommt mir vor, als behandle sie meine Tasche noch vorsichtiger als üblich, um dem fremden Gast alles recht zu machen.
Gerne würde ich mit dieser Person einige Worte wechseln, erzählen wer ich bin, woher ich komme, was ich hier mache. Aber eine gewisse Barriere, die sich auch bei uns allzu oft zwischen zwei sich eigentlich fremde, aber doch vom sehen her vertraute Menschen stellt, hindert mich daran. Und das wird wahrscheinlich auch in Zukunft so bleiben. Irgendwann werde ich nicht mehr in den Laden kommen, die Frau wird sich vielleicht kurze Zeit wundern, woher ich entschwunden bin, aber mich dann auch bald vergessen, wie ich sie ebenso. Leider.
Im Sputnik, dem oben beschriebenen Laden, gibt es eine bediente Theke, wo eine freundliche ältere Frau jeweils meine Tasche in Empfang nimmt und nach meinem Einkauf nach der Rückgabe meiner Nummernplakette wieder aushändigt. Diese Frau strahlt jeweils, während sie sich mir und meiner Tasche zuwendet, eine extrem sympathische Ruhe in ihrem Blick aus. Ich kann in ihren Augen lesen, dass sie mich durch mein regelmässiges Kommen schon vom sehen her zu kennen scheint, aber gleichzeitig auch gerne wissen möchte, wer ich eigentlich bin. Sie hat wohl gemerkt, dass russisch nicht meine Muttersprache ist, und dass ich eigentlich aus einer ihr ganz fremden Welt komme, und würde insgeheim sicherlich gerne erfahren, welchen Ort in welchem ich meine Heimat nenne. Ich habe dieses Interesse in letzter Zeit oft bemerkt, und es kommt mir vor, als behandle sie meine Tasche noch vorsichtiger als üblich, um dem fremden Gast alles recht zu machen.
Gerne würde ich mit dieser Person einige Worte wechseln, erzählen wer ich bin, woher ich komme, was ich hier mache. Aber eine gewisse Barriere, die sich auch bei uns allzu oft zwischen zwei sich eigentlich fremde, aber doch vom sehen her vertraute Menschen stellt, hindert mich daran. Und das wird wahrscheinlich auch in Zukunft so bleiben. Irgendwann werde ich nicht mehr in den Laden kommen, die Frau wird sich vielleicht kurze Zeit wundern, woher ich entschwunden bin, aber mich dann auch bald vergessen, wie ich sie ebenso. Leider.
Montag, 10. November 2008
Russische Medienwelt
Am vergangenen Mittwoch hielt der russische Präsident Dmitri Medwedew eine grosse Rede an die russische Nation, welcher die staatlichen TV-Programme übertrieben lange Berichte in den Abendnachrichten widmeten, während sie über den Wahlsieg von Obama nur einen kurzen etwa 5 minütigen Beitrag ausstrahlten. Klar sind innenpolitische Ereignisse für das Volk interessanter als ausserpolitische, jedoch fehlte für mich in der Länge der Berichte eine gewisse Verhältnismässigkeit, welche ich als eine gewisse Arroganz seitens der kremltreuen Medienwelt gegenüber den USA deutete. Den genauen Inhalt der Rede möchte ich aus Zeitgründen nicht hier niederschreiben und verweise darum auf einen guten Artikel im Tagi: http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Medwedew-legt-den-Schafspelz-ab/story/31665074
Diesen Artikel, der die ganze Rede sehr negativ einstuft und teilweise verurteilt, habe ich meinem Russischlehrer Wladimir Iwanowitsch gezeigt. Er reagierte eher gereizt auf die durch den Journalisten geäusserten Vorwürfe und spielte vieles herunter. Sein Bild der USA ist - wie bei vielen Russen - von negativen Ereignissen und Tatsachen geprägt - die USA sei Schuld an der orangen Revolution in der Ukraine und der dadurch erfolgten Aufzwingung des Kapitalismus, die USA habe in den vergangenen Jahren zwei schlimme Kriege ausgelöst (wo ich jedoch auch zustimmen mag), die USA sei der alleinige Schuldige am Ausbruch des Krieges in Südossetien und Abchasien usw. Ich denke die Schuld an dieser stark einseitigen Meinung liegt vor allem bei den konservativen kremltreuen Medien, Pressefreiheit existiert zwar auf dem Papier, ist in der Praxis jedoch oft Wunschgedanke. Hat man einmal der Bevölkerung eine gewisse Meinung über einen anderen Staat oder eine gewisse Machtperson eingeprägt, so folgt sie von selbst dieser Meinung, da diese für sie ja selbstverständlich und richtig scheint. Ich möchte nicht sagen, dass die russischen Medien Unwahrheiten erzählen, oftmals werden jedoch Dinge anders geschildert, als sie wirklich sind, in dem man den Lesern und Zuschauern nur die halbe Wahrheit Zeit, was zu einer manipulierten Information führt und einer Falschinformation fast gleichkommen kann. Vielfach fehlt den Medien die Objektivität, es sollten nicht Ereignisse stark verurteilt oder gutgeheissen werden, sondern nur das beschrieben werden, was sich tatsächlich abgespielt hat. Die Interpretation und emotionale Färbung der Information sollte erst beim Konsument erfolgen, oder es müssen in einem Artikel oder Beitrag mehrere Informanten beigezogen werden.
Diese Objektivität fehlt teilweise auch in der europäischen Medienwelt, ich möchte nicht allein die russischen Medien kritisieren, jedoch habe ich bemerkt, dass dieses Phänomen hier stärker auftritt als bei uns.
Ein Beispiel: Im Vorfeld der amerikanischen Präsidentschaftswahlen schaut man in einer Nachrichtensendung auf die Amtszeit von George W. Bush zurück. Ich bin einverstanden, dass er vieles nicht so getan hat, wie es eigentlich für das Land und das Volk richtig gewesen wäre. Die Stichworte, welche in diesem Beitrag fielen, waren jedoch ausschliesslich negativer Natur: 2 begonnene Kriege (Afghanistan und Irak), Finanzkrise und die Aufzwingung des kapitalistischen Systems durch diplomatische Hilfe in der Ukraine (orange Revolution) und Georgien, eindrücklich verbildlicht durch den amerikanischen Union Jack, welcher sich in einer computeranimierten Landkarte über das Gebiet der Ukraine und Georgiens legt.
Klar gibt es auch freiere Medien, gestern sah ich einen Wochenrückblick auf einem Privatfernsehsender, welcher Medwedews angekündigte politische Pläne, auch eher kritisch einstufte. Die grossen konservativen Medienhäuser erlauben sich jedoch solche Kritik eher selten. Somit ist ein grosser Teil der Bevölkerung eher einseitig informiert. Man spricht davon, dass man einen kapitalistischen Staat verhindern möchte, im Grunde genommen ist Russland zumindest vom alltäglichen Standpunkt her nicht weniger kapitalistisch orientiert als ein westeuropäisches Land. Bei älteren Menschen, wie beispielsweise bei meinem Lehrer Wladimir, hört man oft eine gewisse Sowjetnostalgie heraus. Der Satz "Vor der Perestrojka war xy ganz gut, und nach der Perestrojka war xy schlechter/anders" höre ich in Diskussionen über die russische Gesellschaft fast täglich. Die Sowjetunion bedeutete für viele Menschen damals eine gewisse Sicherheit, es gab zwar wenig, aber das was man hatte, war immer gleich und immer vorhanden. Diese Sicherheit wurde vielen durch den plötzlichen Umsturz nach dem Untergang der Sowjetunion genommen. Der Gedanke der freien Marktwirtschaft machte damals vielen Russen Angst, da sie mit der plötzlichen "Freiheit" nicht umzugehen wissten, weil sie es niemals gelernt hatten.
Heute ist Russland offiziell eine präsidiale Republik mit einer demokratischen Verfassung, doch hinter dieser offiziellen Fassade ist noch vieles nicht so, wie es ein demokratisches System vorsehen würde. Eine Beseitigung dieser Probleme ist jedoch oftmals fast unmöglich, da die Bevölkerung so informiert wird, dass sie den Grund für ihre schwierigen Lebensumstände vor allem direkt beim Kapitalismus und der amerikanischen Welt sucht, und nicht zuerst die Probleme genauer analysiert, um zu merken, dass vor allem auch innenpolitisch und verwaltungsmässig vieles (noch) nicht so läuft, wie es eigentlich für das Volk gut wäre.
Das ganze Thema ist zu komplex, um es in einem einzelnen Blogeintrag gut und umfassend zu beschreiben, dafür wären wohl dutzende von Seiten nötig. Ich möchte euch jedoch einen Eindruck darüber geben, wie die Berichterstattung und somit Information der Bevölkerung in Russland geschieht. Ich schaue selbst täglich Nachrichten und informiere mich auch sehr oft via Internet über westliche Medien und kann dabei oft eine unterschiedliche Sichtweise der Dinge beobachten, welche eigentlich nicht sein sollte. Ich denke jedoch, dass auch die westlichen Medien manchmal etwas zu einseitig berichten, wir haben dadurch auch ein eher zu negatives Bild von Russland und der hiesigen Politik. Jedoch entspricht die Realität leider doch eher unserer Sichtweise, was für die russische Bevölkerung natürlich schlecht ist.
Medien sollten informieren, und nicht propagandieren!
Diesen Artikel, der die ganze Rede sehr negativ einstuft und teilweise verurteilt, habe ich meinem Russischlehrer Wladimir Iwanowitsch gezeigt. Er reagierte eher gereizt auf die durch den Journalisten geäusserten Vorwürfe und spielte vieles herunter. Sein Bild der USA ist - wie bei vielen Russen - von negativen Ereignissen und Tatsachen geprägt - die USA sei Schuld an der orangen Revolution in der Ukraine und der dadurch erfolgten Aufzwingung des Kapitalismus, die USA habe in den vergangenen Jahren zwei schlimme Kriege ausgelöst (wo ich jedoch auch zustimmen mag), die USA sei der alleinige Schuldige am Ausbruch des Krieges in Südossetien und Abchasien usw. Ich denke die Schuld an dieser stark einseitigen Meinung liegt vor allem bei den konservativen kremltreuen Medien, Pressefreiheit existiert zwar auf dem Papier, ist in der Praxis jedoch oft Wunschgedanke. Hat man einmal der Bevölkerung eine gewisse Meinung über einen anderen Staat oder eine gewisse Machtperson eingeprägt, so folgt sie von selbst dieser Meinung, da diese für sie ja selbstverständlich und richtig scheint. Ich möchte nicht sagen, dass die russischen Medien Unwahrheiten erzählen, oftmals werden jedoch Dinge anders geschildert, als sie wirklich sind, in dem man den Lesern und Zuschauern nur die halbe Wahrheit Zeit, was zu einer manipulierten Information führt und einer Falschinformation fast gleichkommen kann. Vielfach fehlt den Medien die Objektivität, es sollten nicht Ereignisse stark verurteilt oder gutgeheissen werden, sondern nur das beschrieben werden, was sich tatsächlich abgespielt hat. Die Interpretation und emotionale Färbung der Information sollte erst beim Konsument erfolgen, oder es müssen in einem Artikel oder Beitrag mehrere Informanten beigezogen werden.
Diese Objektivität fehlt teilweise auch in der europäischen Medienwelt, ich möchte nicht allein die russischen Medien kritisieren, jedoch habe ich bemerkt, dass dieses Phänomen hier stärker auftritt als bei uns.
Ein Beispiel: Im Vorfeld der amerikanischen Präsidentschaftswahlen schaut man in einer Nachrichtensendung auf die Amtszeit von George W. Bush zurück. Ich bin einverstanden, dass er vieles nicht so getan hat, wie es eigentlich für das Land und das Volk richtig gewesen wäre. Die Stichworte, welche in diesem Beitrag fielen, waren jedoch ausschliesslich negativer Natur: 2 begonnene Kriege (Afghanistan und Irak), Finanzkrise und die Aufzwingung des kapitalistischen Systems durch diplomatische Hilfe in der Ukraine (orange Revolution) und Georgien, eindrücklich verbildlicht durch den amerikanischen Union Jack, welcher sich in einer computeranimierten Landkarte über das Gebiet der Ukraine und Georgiens legt.
Klar gibt es auch freiere Medien, gestern sah ich einen Wochenrückblick auf einem Privatfernsehsender, welcher Medwedews angekündigte politische Pläne, auch eher kritisch einstufte. Die grossen konservativen Medienhäuser erlauben sich jedoch solche Kritik eher selten. Somit ist ein grosser Teil der Bevölkerung eher einseitig informiert. Man spricht davon, dass man einen kapitalistischen Staat verhindern möchte, im Grunde genommen ist Russland zumindest vom alltäglichen Standpunkt her nicht weniger kapitalistisch orientiert als ein westeuropäisches Land. Bei älteren Menschen, wie beispielsweise bei meinem Lehrer Wladimir, hört man oft eine gewisse Sowjetnostalgie heraus. Der Satz "Vor der Perestrojka war xy ganz gut, und nach der Perestrojka war xy schlechter/anders" höre ich in Diskussionen über die russische Gesellschaft fast täglich. Die Sowjetunion bedeutete für viele Menschen damals eine gewisse Sicherheit, es gab zwar wenig, aber das was man hatte, war immer gleich und immer vorhanden. Diese Sicherheit wurde vielen durch den plötzlichen Umsturz nach dem Untergang der Sowjetunion genommen. Der Gedanke der freien Marktwirtschaft machte damals vielen Russen Angst, da sie mit der plötzlichen "Freiheit" nicht umzugehen wissten, weil sie es niemals gelernt hatten.
Heute ist Russland offiziell eine präsidiale Republik mit einer demokratischen Verfassung, doch hinter dieser offiziellen Fassade ist noch vieles nicht so, wie es ein demokratisches System vorsehen würde. Eine Beseitigung dieser Probleme ist jedoch oftmals fast unmöglich, da die Bevölkerung so informiert wird, dass sie den Grund für ihre schwierigen Lebensumstände vor allem direkt beim Kapitalismus und der amerikanischen Welt sucht, und nicht zuerst die Probleme genauer analysiert, um zu merken, dass vor allem auch innenpolitisch und verwaltungsmässig vieles (noch) nicht so läuft, wie es eigentlich für das Volk gut wäre.
Das ganze Thema ist zu komplex, um es in einem einzelnen Blogeintrag gut und umfassend zu beschreiben, dafür wären wohl dutzende von Seiten nötig. Ich möchte euch jedoch einen Eindruck darüber geben, wie die Berichterstattung und somit Information der Bevölkerung in Russland geschieht. Ich schaue selbst täglich Nachrichten und informiere mich auch sehr oft via Internet über westliche Medien und kann dabei oft eine unterschiedliche Sichtweise der Dinge beobachten, welche eigentlich nicht sein sollte. Ich denke jedoch, dass auch die westlichen Medien manchmal etwas zu einseitig berichten, wir haben dadurch auch ein eher zu negatives Bild von Russland und der hiesigen Politik. Jedoch entspricht die Realität leider doch eher unserer Sichtweise, was für die russische Bevölkerung natürlich schlecht ist.
Medien sollten informieren, und nicht propagandieren!
Мадагаскар 2 & Джеймс Бонд
Wahrscheinlich könnt ihr den obigen Titel nur schwer entziffern und deuten, da die Beherrschung des kyrillischen Alphabets in Westeuropa nicht üblichen Fähigkeiten gehört. Ich habe als Titel die russischen Namen der zwei Filme gewählt, die ich in den vergangenen paar Tagen im Kino gesehen habe, nämlich "Madagaskar 2" und der neue "James Bond". Kinobesuche sind für mich im Vergleich zur Schweiz sehr günstig, somit kann ich auch oft gehen, ohne um das Saldo meiner Kreditkarte bangen zu müssen.
Natürlich verstand ich noch nicht ganz alles, was die Schauspieler - oder animierten Figuren - miteinander Sprachen, doch mit Hilfe der bewegten Bilder verstand ich die Handlung eigentlich ziemlich lückenlos, was mich doch ziemlich freute. Beide Filme haben mir gut gefallen, Madagascar 2 entlockte auch mir viele Lacher, obwohl ich der russischen Sprache noch nicht ganz mächtig bin. Und im neuen James Bond Film kann man sich neben dem üblichen Gemetzel und unzähligen Verfolgungsjagden auch an einer aussergewöhnlich gut aussehenden ukrainischen Schauspielerin erfreuen...
Ansonsten verbrachte ich meine Zeit seit vergangenem Mittwoch relativ oft an der Uni - auch am Wochenende, da Wladimir noch einige ausgefallenen Unterrichtsstunden nachholen wollte, um unser erwünschtes Stundenpensum schlussendlich zu erreichen. Neben dem Russischunterricht unterrichtete ich auch in einigen Klassen. Besonders freute ich mich darüber, dass ich nun ab und zu Presseunterricht geben kann, das heisst ich wähle einen deutschprachigen Zeitungsartikel aus, den ich danach mit den Studenten lesen, analysieren und besprechen kann. Diese Arbeit gefällt mir sehr, da ich hier einerseits mein Interesse an gedruckten Medien ausleben kann und andererseits bei der Besprechung immer wieder über gesellschaftliche Unterschiede zwischen der Schweiz und Russland diskutieren kann, womit auch ich immer wieder neues lerne und erfahre. Weiter hatte ich wiederum die Möglichkeit, mich weiteren Gruppen vorzustellen und über die Schweiz zu erzählen und die zahlreichen Fragen der Studenten zu beantworten. Sie sind oftmals sehr interessiert, wie sich das Leben in Europa und insbesondere in der Schweiz für junge Leute wie mich und sie gestaltet. Dabei erfahre ich auch viel über die russische Jugend. Ich erachte diese Art von kulturellem Austausch als sehr wertvoll für beide Seiten, also für mich und für die russischen Studenten.
Neben der Arbeit an der Uni war ich auch sonst oft mit Studenten unterwegs, welche immer wieder gerne etwas mit mir unternehmen, da sie so die Gelegenheit haben, ihre Deutschkenntnisse anzuwenden. Ich wiederum, versuche dabei jeweils möglichst oft russisch zu sprechen, bin aber jeweils froh über die Möglichkeit, auf eine andere Sprache ausweichen zu können, wenn ich etwas Komplizierteres sagen möchte. Einmal war ich mit zwei Studentinnen der englischen Abteilung unterwegs, welche möglicherweise bald in die Schweiz reisen werden, um dort eine russische Freundin zu besuchen, da sprachen wir sogar fast ausschliesslich russisch, was auch ziemlich gut klappte.
Heute hat Lenin wieder seine weisse Mütze angezogen - als ich aufwachte, lag bereits ziemlich viel Schnee draussen. Es hat den ganzen Morgen weitergeschneit, jetzt ist alles schön weiss! Muss wohl noch ein paar Fotos machen gehen später, bevor der Wind die weisse Pracht wieder wegfegt.
Natürlich verstand ich noch nicht ganz alles, was die Schauspieler - oder animierten Figuren - miteinander Sprachen, doch mit Hilfe der bewegten Bilder verstand ich die Handlung eigentlich ziemlich lückenlos, was mich doch ziemlich freute. Beide Filme haben mir gut gefallen, Madagascar 2 entlockte auch mir viele Lacher, obwohl ich der russischen Sprache noch nicht ganz mächtig bin. Und im neuen James Bond Film kann man sich neben dem üblichen Gemetzel und unzähligen Verfolgungsjagden auch an einer aussergewöhnlich gut aussehenden ukrainischen Schauspielerin erfreuen...
Ansonsten verbrachte ich meine Zeit seit vergangenem Mittwoch relativ oft an der Uni - auch am Wochenende, da Wladimir noch einige ausgefallenen Unterrichtsstunden nachholen wollte, um unser erwünschtes Stundenpensum schlussendlich zu erreichen. Neben dem Russischunterricht unterrichtete ich auch in einigen Klassen. Besonders freute ich mich darüber, dass ich nun ab und zu Presseunterricht geben kann, das heisst ich wähle einen deutschprachigen Zeitungsartikel aus, den ich danach mit den Studenten lesen, analysieren und besprechen kann. Diese Arbeit gefällt mir sehr, da ich hier einerseits mein Interesse an gedruckten Medien ausleben kann und andererseits bei der Besprechung immer wieder über gesellschaftliche Unterschiede zwischen der Schweiz und Russland diskutieren kann, womit auch ich immer wieder neues lerne und erfahre. Weiter hatte ich wiederum die Möglichkeit, mich weiteren Gruppen vorzustellen und über die Schweiz zu erzählen und die zahlreichen Fragen der Studenten zu beantworten. Sie sind oftmals sehr interessiert, wie sich das Leben in Europa und insbesondere in der Schweiz für junge Leute wie mich und sie gestaltet. Dabei erfahre ich auch viel über die russische Jugend. Ich erachte diese Art von kulturellem Austausch als sehr wertvoll für beide Seiten, also für mich und für die russischen Studenten.
Neben der Arbeit an der Uni war ich auch sonst oft mit Studenten unterwegs, welche immer wieder gerne etwas mit mir unternehmen, da sie so die Gelegenheit haben, ihre Deutschkenntnisse anzuwenden. Ich wiederum, versuche dabei jeweils möglichst oft russisch zu sprechen, bin aber jeweils froh über die Möglichkeit, auf eine andere Sprache ausweichen zu können, wenn ich etwas Komplizierteres sagen möchte. Einmal war ich mit zwei Studentinnen der englischen Abteilung unterwegs, welche möglicherweise bald in die Schweiz reisen werden, um dort eine russische Freundin zu besuchen, da sprachen wir sogar fast ausschliesslich russisch, was auch ziemlich gut klappte.
Heute hat Lenin wieder seine weisse Mütze angezogen - als ich aufwachte, lag bereits ziemlich viel Schnee draussen. Es hat den ganzen Morgen weitergeschneit, jetzt ist alles schön weiss! Muss wohl noch ein paar Fotos machen gehen später, bevor der Wind die weisse Pracht wieder wegfegt.
Mittwoch, 5. November 2008
GITARRE
Ich haette das fast vergessen zu schreiben.
ICH HABE JETZT EINE GITARRE!
Nach einem ganzen Monat ohne mein geliebtes Saiteninstrument hat mich eine Kollegin von der Uni von meinem Leiden erloest, und mir ihre Gitarre ausgeliehen. Sie spielt im Moment eigentlich nie und braucht sie darum nicht. Ich bin ihr sehr dankbar, dass jetzt meine unmusikalische Zeit ein Ende gefunden hat. JUHUU.
Mehr mag ich heute nicht schreiben. Bin muede. Hatte 2 Doppelstunden russisch und danach habe ich noch im 1. Studienjahr unterrichtet. Und gegessen habe ich auch noch fast nichts.
ICH HABE JETZT EINE GITARRE!
Nach einem ganzen Monat ohne mein geliebtes Saiteninstrument hat mich eine Kollegin von der Uni von meinem Leiden erloest, und mir ihre Gitarre ausgeliehen. Sie spielt im Moment eigentlich nie und braucht sie darum nicht. Ich bin ihr sehr dankbar, dass jetzt meine unmusikalische Zeit ein Ende gefunden hat. JUHUU.
Mehr mag ich heute nicht schreiben. Bin muede. Hatte 2 Doppelstunden russisch und danach habe ich noch im 1. Studienjahr unterrichtet. Und gegessen habe ich auch noch fast nichts.
Endlich Farbe!
Ich habe es endlich geschafft, ein paar photographische Impressionen aus meiner neuen voruebergehenden Heimat hochzuladen, um sie euch jetzt hier zu zeigen. In Zukunft werde ich wohl oefters Fotos gleich zu den einzelnen Beitraegen hinzufuegen, da ich jetzt ein Internetcafe gefunden habe, wo ich gut Dateien hochladen kann. Viel Spass beim Anschauen!

Eine 8. Klasse der Schule 49. Im Hintergrund mein Lehrer Wladimir.
Die Fussgaengerzone von Ulan-Ude.
Mit Holzschnitzereien verziehrtes Haus in zentrumsnaehe.
Unser Haus an der Moskovskaja Uliza
Spielplatz vor unserem Haus.
Unser Hauseingang. Das dritte Fenster von links im Erdgeschoss ist meines.
Im Kinderzentrum. Links Nina.

Das schwarze Hausmonster Tschernowa
Am Bahnhof von Ulan-Ude.
Alte russische Dampflokomotive.
Maja und ich im Rollerdom.
Schneeee.
Am Hafen. Auf der Selenga treibt schon ein bisschen Eis!
Abendlicher Blick aus meinem Zimmerfenster.
Daschas Geburtstag. Links aussen Dascha, und daneben meine Gastmutter Nina.
Hochzeitsgesellschaft vor dem Lenindenkmal.
Hochzeitsgesellschaft vor dem Lenindenkmal.
Eine 8. Klasse der Schule 49. Im Hintergrund mein Lehrer Wladimir.
Die Fussgaengerzone von Ulan-Ude.
Mit Holzschnitzereien verziehrtes Haus in zentrumsnaehe.
Unser Haus an der Moskovskaja Uliza
Spielplatz vor unserem Haus.
Unser Hauseingang. Das dritte Fenster von links im Erdgeschoss ist meines.
Im Kinderzentrum. Links Nina.
Das schwarze Hausmonster Tschernowa
Am Bahnhof von Ulan-Ude.
Alte russische Dampflokomotive.
Maja und ich im Rollerdom.
Schneeee.
Am Hafen. Auf der Selenga treibt schon ein bisschen Eis!
Abendlicher Blick aus meinem Zimmerfenster.Mehr Fotos kommen sicherlich in baldiger Zukunft. Ich hoffe, dass diese Auswahl bereits einen ersten kleinen Eindruck meiner neuen Umwelt geben kann.
Dienstag, 4. November 2008
Paarungswilliges KatzenMONSTER
Tschernowa, die schwarze Hauskatze meiner Gastfamilie, spielt seit 2 Tagen voellig verrueckt. Sie gibt staendig jammernde Laute von sich und ist extrem anhaenglich geworden. "Она хочет мужину", hat mir Nina erklaert. Sie will einen Mann. Toll. Leider lebt sie aber in einer Wohnung ohne paarungswillige Kater und kann auch nicht nach draussen gehen, was fuer sie natuerlich eine etwas unangenehme Situation ist.
Darum braucht sie irgendeine Alternative, um ihre Willigkeit auszuleben. Die hat sie scheinbar gefunden: Sie reibt ihr Hinterteil an jeglichen Ecken und Kanten und mit grosser Vorliebe auch an meinem Fuss und gibt dabei schrecklich anmutende Paarungslaute von sich. Ich wusste bisher nicht, dass Katzen eine solche Notgeilheit entwickeln koennen. Aber es ist wohl so, man lernt staendig dazu.
Jedenfalls wuerde mich diese Tatsache ja noch nicht extrem stoeren, man kann dieses Vieh auch ignorieren. Muehsamer wird es aber, wenn dieses Katzengetier seine Paarungslaute bereits um 7 Uhr morgens in meinem Schlafzimmer von sich gibt und einen am Ausschlafen hindert. Die Versuche, sie aus meinem Zimmer zu werfen, misslangen, da sich meine Tuer nicht ganz schliessen laesst und sie daher immer wieder zurueck kam. Ich haette dieses doofe Tier am liebsten aus dem Fenster geworfen oder in der Badewanne ertraenkt, aber man muss auch lernen, seine Agressionen in schwierigen Situationen zu zuegeln und nicht in affektartige Zustaende zu geraten. Jaja.
Nach geschaetzten 40 Minuten wurde es ihr dann doch zu doof, und sie verliess endlich mein Zimmer und ich konnte noch ein paar Stunden schlafen. Ich hoffe nur, dass diese Paarungswilligkeit nicht mehr lange anhaelt, da da mag ich es lieber, wenn sie kratzt und beisst, als wenn sie mich fuer ihren idealen Liebhaber haelt.
Darum braucht sie irgendeine Alternative, um ihre Willigkeit auszuleben. Die hat sie scheinbar gefunden: Sie reibt ihr Hinterteil an jeglichen Ecken und Kanten und mit grosser Vorliebe auch an meinem Fuss und gibt dabei schrecklich anmutende Paarungslaute von sich. Ich wusste bisher nicht, dass Katzen eine solche Notgeilheit entwickeln koennen. Aber es ist wohl so, man lernt staendig dazu.
Jedenfalls wuerde mich diese Tatsache ja noch nicht extrem stoeren, man kann dieses Vieh auch ignorieren. Muehsamer wird es aber, wenn dieses Katzengetier seine Paarungslaute bereits um 7 Uhr morgens in meinem Schlafzimmer von sich gibt und einen am Ausschlafen hindert. Die Versuche, sie aus meinem Zimmer zu werfen, misslangen, da sich meine Tuer nicht ganz schliessen laesst und sie daher immer wieder zurueck kam. Ich haette dieses doofe Tier am liebsten aus dem Fenster geworfen oder in der Badewanne ertraenkt, aber man muss auch lernen, seine Agressionen in schwierigen Situationen zu zuegeln und nicht in affektartige Zustaende zu geraten. Jaja.
Nach geschaetzten 40 Minuten wurde es ihr dann doch zu doof, und sie verliess endlich mein Zimmer und ich konnte noch ein paar Stunden schlafen. Ich hoffe nur, dass diese Paarungswilligkeit nicht mehr lange anhaelt, da da mag ich es lieber, wenn sie kratzt und beisst, als wenn sie mich fuer ihren idealen Liebhaber haelt.
Schneeballschlacht unter Lenins strengem Blick
Ich schreibe zwar fast taeglich begeistert wie ein kleines Kind ueber die immer wiederkehrenden Schneefaelle, gestern hat es jedoch endlich so richtig schoen geschneit. Den ganzen Tag durch. So wie wenn man im Winter in die Berge faehrt undso. Richtig kalt, Schnee auf allen Strassen und Plaetzen, herumrutschende Autos, richtig toll halt!
Und das Beste war: Ich ging nicht alleine durch das Schneetreiben. Als ich morgens aufgewacht war - ungewoehnlich frueh fuer einen freien Tag, da mich die notgeile Hauskatze mit ihrem Liebesruf geweckt hatte - hatte ich eine SMS von Katja, einer Studentin aus dem 1. Studienjahr, bekommen. Sie wollte mich mit ihrer Klasse ins Kino einladen. Wir trafen uns in der Aula der Uni, wo mehrere Gruppen aus dem 1. Studienjahr fuer irgendeine Auffuehrung probten. Dabei lernte ich noch einige Englischstudenten kennen, wovon mich einer fragte, ob ich mit ihm irgendwann ins Musikgeschaeft mitkommen koenne. Er will sich eine E-Gitarre kaufen und hat irgendwie gehoert, dass ich auch Gitarre spiele. Natuerlich werde ich ihn beraten. Dann kann ich naemlich selbst auch wiedermal auf einer Gitarre herumhacken. Sehrgut! Irgendwann in den naechsten Tagen einmal, da das Geschaeft waehrend den Feiertagen geschlossen ist.
Wir machten uns dann nach kurzem Warten auf den Weg ins Kino. Schnell merkten wir jedoch, dass heute nicht der richtige Tag fuer Madagascar 2 sei: Erstes Kino: Ueberfuellt mit kleinen Schulkindern. Zweites Kino: Ebenfalls. Gut. Dann halt ins Cafe. Wir bestellten Pizza und Milchshakes und sprachen in einem wilden Mix aus deutsch, russisch und Handzeichen. Dafuer, dass sie erst im ersten Jahr deutsch studieren, sprechen die meisten schon erstaunlich gut. Wobei etwa 80 % der Zeit Katja sprach, ein sehr kommunikatives Maedchen. Sie liebt Metalmusik und ihre Lieblingsband ist Rammstein. Natuerlich kennt sie alle ihre deutschen Texte auswendig. Auf dem Rueckweg zur Uni begannen sich irgendwann zwei aus der Gruppe mit Schnee zu bewerfen, was zu einer amuesanten Kettenreaktion fuehrte, welche schliesslich vor dem Lenindenkmal in einer wilden Schneeballschlacht ausartete. Die bald 18 jaehrigen Maedchen waren sich nicht zu Schade, ihr Makeup und ihre Frisur zu ruinieren, um kindlichen Unsinn zu veranstalten, was ich doch sehr toll fand, da in mir gewissermassen auch noch ein kleines Kind steckt, welches sich zwischendurch auch einmal austoben moechte. Schlussendlich verdiente mein Aeusseres durchaus die Bezeichnung Schneemann, mein Mantel war mit einer dicken weissen Schicht ueberzogen, und auch die anderen hatten einige Schneeduschen erhalten. Ich hatte jedenfalls schon laenger nicht mehr soviel Spass, haha!
Ich glaube es ist doch besser, dass ich nun auch ein paar Gleichaltrige kenne, mit denen ich auchmal solche kindlichen Dinge tun kann. Vorher traf ich mich vorwiegend mit ueber 20 jaehrigen, wo man dann schlussendlich schon einen gewissen Unterschied merkt.
Und das Beste war: Ich ging nicht alleine durch das Schneetreiben. Als ich morgens aufgewacht war - ungewoehnlich frueh fuer einen freien Tag, da mich die notgeile Hauskatze mit ihrem Liebesruf geweckt hatte - hatte ich eine SMS von Katja, einer Studentin aus dem 1. Studienjahr, bekommen. Sie wollte mich mit ihrer Klasse ins Kino einladen. Wir trafen uns in der Aula der Uni, wo mehrere Gruppen aus dem 1. Studienjahr fuer irgendeine Auffuehrung probten. Dabei lernte ich noch einige Englischstudenten kennen, wovon mich einer fragte, ob ich mit ihm irgendwann ins Musikgeschaeft mitkommen koenne. Er will sich eine E-Gitarre kaufen und hat irgendwie gehoert, dass ich auch Gitarre spiele. Natuerlich werde ich ihn beraten. Dann kann ich naemlich selbst auch wiedermal auf einer Gitarre herumhacken. Sehrgut! Irgendwann in den naechsten Tagen einmal, da das Geschaeft waehrend den Feiertagen geschlossen ist.
Wir machten uns dann nach kurzem Warten auf den Weg ins Kino. Schnell merkten wir jedoch, dass heute nicht der richtige Tag fuer Madagascar 2 sei: Erstes Kino: Ueberfuellt mit kleinen Schulkindern. Zweites Kino: Ebenfalls. Gut. Dann halt ins Cafe. Wir bestellten Pizza und Milchshakes und sprachen in einem wilden Mix aus deutsch, russisch und Handzeichen. Dafuer, dass sie erst im ersten Jahr deutsch studieren, sprechen die meisten schon erstaunlich gut. Wobei etwa 80 % der Zeit Katja sprach, ein sehr kommunikatives Maedchen. Sie liebt Metalmusik und ihre Lieblingsband ist Rammstein. Natuerlich kennt sie alle ihre deutschen Texte auswendig. Auf dem Rueckweg zur Uni begannen sich irgendwann zwei aus der Gruppe mit Schnee zu bewerfen, was zu einer amuesanten Kettenreaktion fuehrte, welche schliesslich vor dem Lenindenkmal in einer wilden Schneeballschlacht ausartete. Die bald 18 jaehrigen Maedchen waren sich nicht zu Schade, ihr Makeup und ihre Frisur zu ruinieren, um kindlichen Unsinn zu veranstalten, was ich doch sehr toll fand, da in mir gewissermassen auch noch ein kleines Kind steckt, welches sich zwischendurch auch einmal austoben moechte. Schlussendlich verdiente mein Aeusseres durchaus die Bezeichnung Schneemann, mein Mantel war mit einer dicken weissen Schicht ueberzogen, und auch die anderen hatten einige Schneeduschen erhalten. Ich hatte jedenfalls schon laenger nicht mehr soviel Spass, haha!
Ich glaube es ist doch besser, dass ich nun auch ein paar Gleichaltrige kenne, mit denen ich auchmal solche kindlichen Dinge tun kann. Vorher traf ich mich vorwiegend mit ueber 20 jaehrigen, wo man dann schlussendlich schon einen gewissen Unterschied merkt.
Sonntag, 2. November 2008
Wer nicht hören will, muss fühlen.
Jaja, dieses alte Sprichwort hat schon manchmal recht.
Meine Gastmutter machte mich heute morgen, als ich aus dem Haus ging, jedenfalls darauf aufmerksam, dass ich eine Mütze anziehen solle, da es draussen kalt sei. Ich widersprach ihr aber, und sagte, dass es heute verhältnismässig warm sei. Ich hatte nämlich nach dem aufstehen auf meinem Thermometer etwa -2 Grad abgelesen, was verhältnismässig garnicht sooo kalt ist. Und draussen lag eine etwa 5 cm hohe Schneesschicht, und ich dachte mir, dass es ja wenn es schneit, auch nicht extrem kalt ist, sondern nahe am Gefrierpunkt.
Ich ging danach ohne meine tolle Mütze (so ein Retroteil mit grossem Ponpon (oder wie auch immer dieses doofe runde Wollballteil heisst); um ein bisschen Bergleratmosphäre in die russische Steppe zu bringen) aus dem Haus und erlebte gleich eine böse Überraschung: Draussen blies ein schrecklicher Wind und trug immer wieder Pulverschnee mit sich - vergleichbar mit der Situation an manchen Skitagen - und knallte diesen mit voller Wucht einem ins Gesicht. In einem Wort: Saukalt!
Ich war jedoch schon spät dran und ging darum nicht mehr zurück nach Hause. Ausserdem wollte ich meine kleine Niederlage vor Nina nicht eingestehen. Also hiess es 15 Minuten leiden. Und nach einer weiteren Viertelstunde Unterricht war ich dann mehr oder weniger aufgetaut. Ich habe also gelernt: Nächstes Mal MIT Mütze, Kappe, Schapka, was auch immer aus dem Haus gehen. Ja, wäre wohl besser so.
Nun schaue ich mal, was ich heute noch so tolles machen könnte. Ich glaube ich schreibe mal Maja eine SMS, oderso. Und die nächsten zwei Tage sind bei uns Feiertage, also kein Unterricht und wahrscheinlich auch geschlossene Läden und so. Bin mir aber nicht sicher, denn hier hat sonst auch sonntags alles geöffnet. Mal schauen. Und am Dienstag, dem Tag der nationalen Einheit soll es irgendeine grosse Kundgebung vor dem Lenindenkmal geben. Werde wohl mal vorbeischauen, ist vielleicht noch spannend. Irgendwann gehe ich auch noch ins Kino, ich hatte gestern Unterricht mit dem 1. Studienjahr, die sind alle 17 jährig, also ein wenig jünger als ich. Sie wollen mal mit mir ins Kino, haben sie gesagt, oder sonst was machen. Ist auch gut so, nicht immer mit älteren etwas zu unternehmen.
Meine Gastmutter machte mich heute morgen, als ich aus dem Haus ging, jedenfalls darauf aufmerksam, dass ich eine Mütze anziehen solle, da es draussen kalt sei. Ich widersprach ihr aber, und sagte, dass es heute verhältnismässig warm sei. Ich hatte nämlich nach dem aufstehen auf meinem Thermometer etwa -2 Grad abgelesen, was verhältnismässig garnicht sooo kalt ist. Und draussen lag eine etwa 5 cm hohe Schneesschicht, und ich dachte mir, dass es ja wenn es schneit, auch nicht extrem kalt ist, sondern nahe am Gefrierpunkt.
Ich ging danach ohne meine tolle Mütze (so ein Retroteil mit grossem Ponpon (oder wie auch immer dieses doofe runde Wollballteil heisst); um ein bisschen Bergleratmosphäre in die russische Steppe zu bringen) aus dem Haus und erlebte gleich eine böse Überraschung: Draussen blies ein schrecklicher Wind und trug immer wieder Pulverschnee mit sich - vergleichbar mit der Situation an manchen Skitagen - und knallte diesen mit voller Wucht einem ins Gesicht. In einem Wort: Saukalt!
Ich war jedoch schon spät dran und ging darum nicht mehr zurück nach Hause. Ausserdem wollte ich meine kleine Niederlage vor Nina nicht eingestehen. Also hiess es 15 Minuten leiden. Und nach einer weiteren Viertelstunde Unterricht war ich dann mehr oder weniger aufgetaut. Ich habe also gelernt: Nächstes Mal MIT Mütze, Kappe, Schapka, was auch immer aus dem Haus gehen. Ja, wäre wohl besser so.
Nun schaue ich mal, was ich heute noch so tolles machen könnte. Ich glaube ich schreibe mal Maja eine SMS, oderso. Und die nächsten zwei Tage sind bei uns Feiertage, also kein Unterricht und wahrscheinlich auch geschlossene Läden und so. Bin mir aber nicht sicher, denn hier hat sonst auch sonntags alles geöffnet. Mal schauen. Und am Dienstag, dem Tag der nationalen Einheit soll es irgendeine grosse Kundgebung vor dem Lenindenkmal geben. Werde wohl mal vorbeischauen, ist vielleicht noch spannend. Irgendwann gehe ich auch noch ins Kino, ich hatte gestern Unterricht mit dem 1. Studienjahr, die sind alle 17 jährig, also ein wenig jünger als ich. Sie wollen mal mit mir ins Kino, haben sie gesagt, oder sonst was machen. Ist auch gut so, nicht immer mit älteren etwas zu unternehmen.
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