Gestern hatte ich einen supertollen Tag. Alles begann wie gewoehnlich mit dem morgendlichen Russischunterricht an der Uni. In der Pause merkte ich, dass es fuer einen Samstagmorgen im Lehrerzimmer ungewoehnlich hektisch zu und her ging, man machte mich dann darauf aufmerksam, dass dieses Wochenende zwei Gaeste aus Deutschland anwesend seien, die hier einen Deutschtest durchfuehren, an dem ausgewaehlte Studentinnen teilnehmen koennen. Bei einem guten Testergebnis winkt ihnen die Chance, waehrend 3 Monaten bis zu mehreren Jahren in Deutschland deutsch zu studieren.
Man sagte mir, dass ich am Nachmittag mit den Gaesten auf eine Stadtfuehrung mitkommen koenne, was ich dann natuerlich auch gerne tat.
Es zeigte sich dann, dass es sich nicht um eine streng organisierte Fuehrung handelte, was in Nachhinein betrachtet sogar positiv fuer mich war. Zwei Studentinnen aus dem 4. Studienjahr, Maja und Mascha, waren von ihrer Lehrerin gebeten worden, die deutschen Gaeste etwas herumzufuehren. Wir gingen zuerst zum Bahnhof, wo Sascha und Jenny, die deutschen Gaeste, ihr Zugticket fuer die Rueckfahrt nach Irkutsk am Montag kauften. Ich kam mit Maja und Mascha schnell ins Gespraech (auf deutsch, mein russisch reicht noch nicht wirklich fuer ausgedehnte Sprechorgien) und sie waren mir sofort sympathisch. Es lief nicht wie ein ich-bin-ein-Fremder-aus-einem-fernen-Land-und-ihr-sollt-mir-jetzt-erklaeren-wer-ihr-seid-und-was-ihr-macht-Gespraech ab, wie es bis jetzt oftmals der Fall war, wenn ich auf neue junge Menschen traf, sondern vielmehr wie eine normale Unterhaltung zwischen jungen Menschen. Auch die deutschen Gaeste erwiesen sich als sehr sympathisch. Die beiden ungefaehr Dreissigjaehrigen leben nun seit dem 1. September fuer 5 Jahre in Irkutsk, wo sie an verschiedenen Universitaeten als Lektoren der deutschen Sprache arbeiten.
Vom Bahnhof aus fuhren wir mit der Marschrutka zum einem Dazan (buddhistisches Kloster), welches wunderschoen auf einem Huegel gelegen ist, von wo aus man wunderbar die ganze Stadt ueberblicken kann. Ich war bereits ganz zu Beginn meiner Zeit in Ulan-Ude dort, diesmal waren aber das Wetter und die Begleitung viel angenehmer.
Als wir die Rueckfahrt in die Stadt antreten wollten, bemerkte Maja, dass sie ihr Portmonee bei der Hinfahrt in der Marschrutka liegengelassen hatte. Alles Suchen in den noch da stehenden Marschrutkas half nichts - unsere war wohl schon wieder abgefahren. Zum Glueck hatte Maja jedoch nicht allzu viel Geld dabei gehabt, nur der Verlust ihrer Bankkarte war aergerlich.
Als Ausklang des Tages machten wir es uns im Stadtzentrum in einem Cafe gemuetlich und fuehrten spannende Gespraeche ueber Russland, die deutsche Sprache und vieles mehr. Sascha und Jenny versprachen mir, dass ich mich jederzeit bei ihnen melden koenne, falls ich einmal die Stadt Irkutsk besuchen moechte, was ich sicherlich auch tun werde. Maja wollte mich fuer den heutigen Sonntag zum Rollschuhfahren in einem Rollerdom einladen - so wie man es aus den amerikanischen Filmen kennt. Heute morgen musste sie jedoch feststellen, dass sie ja gar kein Geld hatte ohne ihre Bankkarte, und so mussten wir unseren Ausflug auf ein anderes Mal verschieben.
Trotzdem bin ich sehr froh, endlich ein zwei Freundinnen gefunden zu haben, welche mir sympathisch sind und welche ich auch gerne ab und zu in meiner Freizeit treffen werde. Maja gab mir auch ihre Handynummer und bot mir an, mir bei Problemen zu helfen und auch ab und zu etwas mit mir zu unternehmen, wenn sie Zeit hat. Unter der Woche wohl eher weniger, denn wie ich erfuhr, haben die Studentinnen taeglich 3-4 Doppelstunden Unterricht plus Hausaufgaben, was im Vergleich zu unseren Verhaeltnissen doch extrem viel ist.
Ich bin gluecklich, mehrere sehr nette Menschen kennengelernt zu haben und freue mich nun auf naechste Woche. Morgen Montag werde ich erstmals mit den Studentinnen zusammen arbeiten. Wir werden zusammen Duerrenmatts "Besuch einer alten Dame" lesen, analysieren und besprechen. Am Dienstag bin ich zum Presseunterricht eingeladen worden, wo ich mit den Studentinnen Artikel aus der deutschsprachigen Pressewelt besprechen werde, was mir in Anbetracht meines journalistischen Interesses natuerlich sehr gefaellt.
Ausserdem hat mir eine Freundin von Dascha, die ebenfalls deutsch studiert noch einen uebersetzten Text fuer ein Reisebuero zur Korrektur gegeben. Ich helfe gerne bei solchen Beduerfnissen aus, da mir diese Aufgabe nicht sehr schwer faellt.
Ja, es wird mir also in naher Zukunft wohl nicht langweilig werden, und auch die menschlichen Kontakte werden langsam enger und verbindlicher, was mein allgemeines Befinden sehr verbessert. Und ueber die Moeglichkeit, in ein paar Wochen nach Irkutsk fahren zu koennen, freue ich mich auch sehr!
Bezueglich Fotos muss ich euch leider noch etwas auf spaeter vertroesten. Momentan funktioniert das Internetcafe mit der besten Verbindung irgendwie nicht und es ist sonst schwierig, eine Moeglichkeit zum Hochladen von Dateien zu finden. Ich werde jedoch versuchen, bis Ende Monat irgendwie eine Moeglichkeit zu finden, ein paar Bilder zu praesentieren, kann aber leider noch nichts versprechen.
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2 Kommentare:
Wir werden zusammen Duerrenmatts "Besuch einer alten Dame" lesen, analysieren und besprechen.
buuaahhh i hasse das buech
die gschicht
ig lise dürrematt ni gärn :S
du lernst russisch?respekt!
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