Montag, 10. November 2008

Russische Medienwelt

Am vergangenen Mittwoch hielt der russische Präsident Dmitri Medwedew eine grosse Rede an die russische Nation, welcher die staatlichen TV-Programme übertrieben lange Berichte in den Abendnachrichten widmeten, während sie über den Wahlsieg von Obama nur einen kurzen etwa 5 minütigen Beitrag ausstrahlten. Klar sind innenpolitische Ereignisse für das Volk interessanter als ausserpolitische, jedoch fehlte für mich in der Länge der Berichte eine gewisse Verhältnismässigkeit, welche ich als eine gewisse Arroganz seitens der kremltreuen Medienwelt gegenüber den USA deutete. Den genauen Inhalt der Rede möchte ich aus Zeitgründen nicht hier niederschreiben und verweise darum auf einen guten Artikel im Tagi: http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Medwedew-legt-den-Schafspelz-ab/story/31665074

Diesen Artikel, der die ganze Rede sehr negativ einstuft und teilweise verurteilt, habe ich meinem Russischlehrer Wladimir Iwanowitsch gezeigt. Er reagierte eher gereizt auf die durch den Journalisten geäusserten Vorwürfe und spielte vieles herunter. Sein Bild der USA ist - wie bei vielen Russen - von negativen Ereignissen und Tatsachen geprägt - die USA sei Schuld an der orangen Revolution in der Ukraine und der dadurch erfolgten Aufzwingung des Kapitalismus, die USA habe in den vergangenen Jahren zwei schlimme Kriege ausgelöst (wo ich jedoch auch zustimmen mag), die USA sei der alleinige Schuldige am Ausbruch des Krieges in Südossetien und Abchasien usw. Ich denke die Schuld an dieser stark einseitigen Meinung liegt vor allem bei den konservativen kremltreuen Medien, Pressefreiheit existiert zwar auf dem Papier, ist in der Praxis jedoch oft Wunschgedanke. Hat man einmal der Bevölkerung eine gewisse Meinung über einen anderen Staat oder eine gewisse Machtperson eingeprägt, so folgt sie von selbst dieser Meinung, da diese für sie ja selbstverständlich und richtig scheint. Ich möchte nicht sagen, dass die russischen Medien Unwahrheiten erzählen, oftmals werden jedoch Dinge anders geschildert, als sie wirklich sind, in dem man den Lesern und Zuschauern nur die halbe Wahrheit Zeit, was zu einer manipulierten Information führt und einer Falschinformation fast gleichkommen kann. Vielfach fehlt den Medien die Objektivität, es sollten nicht Ereignisse stark verurteilt oder gutgeheissen werden, sondern nur das beschrieben werden, was sich tatsächlich abgespielt hat. Die Interpretation und emotionale Färbung der Information sollte erst beim Konsument erfolgen, oder es müssen in einem Artikel oder Beitrag mehrere Informanten beigezogen werden.
Diese Objektivität fehlt teilweise auch in der europäischen Medienwelt, ich möchte nicht allein die russischen Medien kritisieren, jedoch habe ich bemerkt, dass dieses Phänomen hier stärker auftritt als bei uns.

Ein Beispiel: Im Vorfeld der amerikanischen Präsidentschaftswahlen schaut man in einer Nachrichtensendung auf die Amtszeit von George W. Bush zurück. Ich bin einverstanden, dass er vieles nicht so getan hat, wie es eigentlich für das Land und das Volk richtig gewesen wäre. Die Stichworte, welche in diesem Beitrag fielen, waren jedoch ausschliesslich negativer Natur: 2 begonnene Kriege (Afghanistan und Irak), Finanzkrise und die Aufzwingung des kapitalistischen Systems durch diplomatische Hilfe in der Ukraine (orange Revolution) und Georgien, eindrücklich verbildlicht durch den amerikanischen Union Jack, welcher sich in einer computeranimierten Landkarte über das Gebiet der Ukraine und Georgiens legt.

Klar gibt es auch freiere Medien, gestern sah ich einen Wochenrückblick auf einem Privatfernsehsender, welcher Medwedews angekündigte politische Pläne, auch eher kritisch einstufte. Die grossen konservativen Medienhäuser erlauben sich jedoch solche Kritik eher selten. Somit ist ein grosser Teil der Bevölkerung eher einseitig informiert. Man spricht davon, dass man einen kapitalistischen Staat verhindern möchte, im Grunde genommen ist Russland zumindest vom alltäglichen Standpunkt her nicht weniger kapitalistisch orientiert als ein westeuropäisches Land. Bei älteren Menschen, wie beispielsweise bei meinem Lehrer Wladimir, hört man oft eine gewisse Sowjetnostalgie heraus. Der Satz "Vor der Perestrojka war xy ganz gut, und nach der Perestrojka war xy schlechter/anders" höre ich in Diskussionen über die russische Gesellschaft fast täglich. Die Sowjetunion bedeutete für viele Menschen damals eine gewisse Sicherheit, es gab zwar wenig, aber das was man hatte, war immer gleich und immer vorhanden. Diese Sicherheit wurde vielen durch den plötzlichen Umsturz nach dem Untergang der Sowjetunion genommen. Der Gedanke der freien Marktwirtschaft machte damals vielen Russen Angst, da sie mit der plötzlichen "Freiheit" nicht umzugehen wissten, weil sie es niemals gelernt hatten.
Heute ist Russland offiziell eine präsidiale Republik mit einer demokratischen Verfassung, doch hinter dieser offiziellen Fassade ist noch vieles nicht so, wie es ein demokratisches System vorsehen würde. Eine Beseitigung dieser Probleme ist jedoch oftmals fast unmöglich, da die Bevölkerung so informiert wird, dass sie den Grund für ihre schwierigen Lebensumstände vor allem direkt beim Kapitalismus und der amerikanischen Welt sucht, und nicht zuerst die Probleme genauer analysiert, um zu merken, dass vor allem auch innenpolitisch und verwaltungsmässig vieles (noch) nicht so läuft, wie es eigentlich für das Volk gut wäre.

Das ganze Thema ist zu komplex, um es in einem einzelnen Blogeintrag gut und umfassend zu beschreiben, dafür wären wohl dutzende von Seiten nötig. Ich möchte euch jedoch einen Eindruck darüber geben, wie die Berichterstattung und somit Information der Bevölkerung in Russland geschieht. Ich schaue selbst täglich Nachrichten und informiere mich auch sehr oft via Internet über westliche Medien und kann dabei oft eine unterschiedliche Sichtweise der Dinge beobachten, welche eigentlich nicht sein sollte. Ich denke jedoch, dass auch die westlichen Medien manchmal etwas zu einseitig berichten, wir haben dadurch auch ein eher zu negatives Bild von Russland und der hiesigen Politik. Jedoch entspricht die Realität leider doch eher unserer Sichtweise, was für die russische Bevölkerung natürlich schlecht ist.

Medien sollten informieren, und nicht propagandieren!

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

wie spricht me medwedew us?

Livio hat gesagt…

med-wje-dew, will s zeite e betont isch, darum je. verstande? guuuuuet!

du häsch de bricht ehnid gläse, höhöhöhö.

Anonym hat gesagt…

eh scho UND vrstange soger

wer hätte das gedacht he!
(eigentelch weiss me das aues jo scho, mann)

vrzöu doch mou öppis übrd russe! do gohts nur um di! haha bisch du schomou mit dene go iichaufe? nimmt mi wungr was die so ässä weisch

Anonym hat gesagt…

aach de chumi mau di blog cho läse u scho regsch mi uf.
do si d medie genau glich imfau hä muesch nur d übrschrifte aube aluege.
uu liis mau chli meh politischi hüschmis bevor do sone blogitraag machsch


gottherje u das amne zischti! pfffä