Sonntag, 30. November 2008

AUSLAENDER!

Ich meinte eigentlich, das Gefuehl zu kennen, welches man als Auslaender, also als Fremder in einem Land, welchem man auf Grund seiner staatlichen Herkunft nicht angehoert, fuehlt. Man kommt in ein fremdes Land, hat einige Schwierigkeiten mit den veraenderten Lebensumstaenden und versteht moeglicherweise die gesprochene Sprache nicht, oder zumindest nicht auf Anhieb. Kleinere Reibungen treten zwar auf, aber nach einer gewissen Zeit fuehlt man sich sogar schon ein bisschen heimisch, da man ja auch schon eine Weile in diesem Land gelebt hat. So habe ich es zumindest bis jetzt erlebt.

Gestern rief jedoch ein an sich banales Ereignis meine fremde Herkunft und damit Ungleichheit im Bezug auf die hier beheimateten Menschen schonungslos in mein Bewusstsein zurueck. Julia, Rita und Lara, drei Studentinnen mit denen ich schon viel unternommen habe, wollten mit mir zum Schlittschuhlaufen auf die Eisbahn. Ich war zwar in der vergangenen Woche bereits 2 Mal auf dem Eis, freute mich jedoch dennoch bei sonnigem Wetter auf einen erneuten Besuch der Eisbahn. Wir stellten uns also in die Menschentraube, welche vor der Schlittschuhausgabe dicht gedraengt darauf wartete, endlich bedient zu werden. Die Stimmung war hektisch und die Temperatur in diesem Raum unangenehm heiss. So freute ich mich schliesslich, nach geschaetzten 15 Minuten endlich an der Reihe zu sein und meine Schlittschuhe empfangen zu koennen. Meine Freude war jedoch nur von kurzer Dauer: Als Pfand muss man jeweils den Pass abgeben, und das hatte die letzten beiden Male auch geklappt, auch wenn der Mann bei der anderen Eisbahn keine lateinischen Buchstaben lesen konnte. Dieses Mal musterte die strenge kleine aeltere Dame meinen Pass kurz, und sagte mir dann trocken, sie nehme keine auslaendischen Paesse an.
Enttaeuscht stand ich danach am Rande der Eisbahn und schaute den Besitzern eines russischen Passes beim Eislaufen zu. Dieses Erlebnis zeigte mir einerseits, dass ich eben doch ein Fremder bin, und damit auch nicht immer gleichwertig behandelt werde, obwohl ich mich eigentlich nach diesen 2 Monaten schon ein wenig heimisch fuehle hier. Andererseits wurde dadurch auch der eher kindlich naive Wunsch nach der Gleichheit aller Menschen erweckt. Denn was ich hier in einem banalen und an sich nicht weiter schlimmen Erlebnis gefuehlt habe, geschieht wohl gerade auch in unserer europaeischen Gesellschaft jeden Tag tausendfach in weitaus ernsteren Situationen des alltaeglichen Lebens mit auslaendischen Staatsangehoerigen. Sollte eigentlich nicht sein.

Ansonsten war es trotz allem ein schoener Tag. Die Maedchen wollten sogar noch fuer mich andere Schlittschuhe von zu Hause organisieren, aber irgendwie hatte ich dann doch keine Lust mehr auf Schlittschuhlaufen. Und beim Gehen bemerkte ich, dass die beste Freundin von meiner Gastmutter Nina heute auch dort arbeitete - sie hatte mir beim ersten Besuch die Schlittschuhe ohne Pass organisiert. Ich hatte sie leider vorher nicht bemerkt. Naja, beim naechsten Mal dann!

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