Sonntag, 18. Januar 2009

Zwei Lenas und baggernde Chinesen.

Ich bin nun schon wieder zurueck in Ulan-Ude. Auch die wiederum etwa 8 Stunden beanspruchende Rueckfahrt im Zug hatte durchaus ihren Reiz. Diesmal hatte ich das Vergnuegen, in einem Wagen voller Chinesen ueber die Schienen zu rattern. Gluecklicherweise setzten sich dann aber noch 2 junge Russinnen in mein Abteil - Chinesisch kann ich noch nicht. Wir kamen schnell ins Gespraech und lachten gemeinsam ueber den chinesischen Casanova auf der anderen Seite des Ganges, welcher die Herzen der zwei Maedchen mit einem allzu aufgesetzten verfuehrerischen Blick zum schmelzen lassen bringen wollte. Kommunikationsversuche mit ihm scheiterten voellig - nicht einmal zeichnen half weiter. Er flirtete eifrig weiter und sang zwischendurch irgendwelche chinesischen Serenaden in ihre Richtung. Meine beiden Reisegefaehrtinnen, welche sich bald als Lena und Lena aus Sajansk vorstellten, waren ebenfalls auf dem Weg nach Ulan-Ude, um dort eine 20-taegige Unisession zu absolvieren. Sie boten mir sogleich Tee und etwas von ihren Fleischkloesschen an, welche ihre Muetter zu Hause fuer sie vorbereitet hatten. Wir sprachen lange ueber die ueblichen Themen, welche Einheimische mit einem Fremden besprechen wollen und goennten uns Bier mit geraeuchertem Fisch aus dem Baikalsee - eine wahre Gaumenfreude! Zwischendurch startete unser charmanter Chinese immer wieder seine Erobreungsversuche, scheiterte aber wiederum klaeglich. So verspuerte ich auch diesmal niemals den Drang, die Zeit mit eingestoepselten Ipodkoepfhoerern oder einem Buch in meinen Haenden totzuschlagen. Wir koennten uns daran auch ein Vorbild nehmen. Klar fahren wir niemals so lange gemeinsam mit anderen Menschen in einem Zug, dafuer ist unser Land zu klein. Aber die Tatsache, dass fast nur psychisch eher spezielle oder betrunkene Menschen in Schweizerischen Zugwaggons mit ihren fremden Abteilsgenossen ein Gespraech beginnen, muss trotzdem nicht unbedingt sein.

Nach diesen acht Stunden wurde ich dann auch noch gebuehrend in meiner "Heimatstadt" empfangen. An der Tramhaltestelle wurde ein durch den ausgiebigen Genuss russischer Waesserchen euphorisierter aelterer Herr auf mich aufmerksam, da er meinen Mantel fuer sibirische Verhaeltnisse als VIEL ZU KALT einstufte. Ich erklaerte ihm mehrmals, dass ich keineswegs frieren wuerde und er sich um meine Gesundheit keine Sorgen machen sollte. Er gab sich damit aber nicht recht zufrieden und beharrte an der Sibirienuntauglichkeit meiner Sachen. Durch mein Gepaeck aufmerksam gemacht, fragte er nach meiner Herkunft. Irgendwie verwirrte ihn die Tatsache, dass ein vom Bahnhof kommender Schweizer, auf die Strassenbahn wartete, um in seine 2 Stationen enfernte Wohngegend zu fahren, was ihn dazu veranlasste, der Tramfuehrerin der eben eingefahrenen Bahn hocherfreut ueber ihren auslaendischen Passagier zu berichten. Danach stieg er gluecklicherweise wieder aus und ich konnte mich auf den Heimweg machen.

Keine Kommentare: