Ich habe Neujahr gut und verhaeltnismaessig gemuetlich ueberlebt. Es war sicherlich der allerkaelteste Jahresbeginn meines Lebens - minus 24 Grad laden nicht gerade zu laengerem Verweilen im Freien ein. So verbrachten wir die Neujahrsnacht vor allem in der gut geheizten Wohnung, nur fuer einen kurzen Spaziergang zur Neujahrstanne auf dem Sowjetplatz verliessen wir das Haus. In den letzten Stunden des alten Jahres wurde vor allem gekocht und ferngesehen - das neue Jahr sollte mit einem Festmahl beginnen. Kurz vor 12 Uhr sprach der burjatische Praesident im Fernsehen und dann schlug auch schon die Uhr Mitternacht und der Champagnerkorken verliess knallend den Flaschenhals. Danach wurde sehr viel und sehr gut gegessen - verschiedenste Salate, Kaviar, viel Fleisch und natuerlich das burjatische Nationalgericht Posy. Alles in allem ein schoener Jahreswechsel, wenn auch bei mir fuer einmal das sonst uebliche euphorische Gefuehl beim unmittelbaren Jahresuebergang weitgehend fehlte. Lag wohl vor allem daran, dass ich ohne meine Freunde oder Familie feierte - richtig zu Hause bin ich hier eben doch nicht.
Diesen Fakt bemerkte ich auch in den darauf folgenden ersten Tagen im neuen Jahr. Ein traditionelles Familienfest ohne Familie fuehrt irgendwie zwangslaeufig zu einem Gefuehl der Einsamkeit. Verstaerkt wurde es dadurch, dass der Kontakt zu meiner Familie und zu meinen Freunden ausgerechnet in diesen Tagen unmoeglich war - alle Internetcafes waren ausnahmslos geschlossen. So begann das neue Jahr fuer mich ziemlich einsam. Gestern bahnte sich jedoch Besserung an: Mascha, die aeltere Tochter von Nina, kam aus Moskau, wo sie studiert, zurueck in ihre Heimat. Dies fuehrte zu einer erheblichen Verbesserung der Stimmung zu Hause. Vorher herrschte immer wieder eine eher angespannte Stimmung, aber nun wurde alles ploetzlich viel lockerer und freudiger zu Hause. Dieses familiaere Glueck strahlt auch ein wenig auf mich aus, was mein Heimweh etwas mindert.
Aber irgendwie habe ich auch schon insgeheim die Tage zu zaehlen begonnen, bis ich am 1. Februar am Zuercher Flughafen meine Familie und Freunde wieder in die Arme schliessen kann. Bis dahin geniesse ich jedoch noch die Zeit hier. Und meine Reisen nach Irkutsk und Moskau werden sicherlich sehr spannend.
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