Donnerstag, 11. Dezember 2008

Sibirische Weite und ausgemergelte Kuehe


Eigentlich wollte ich ja hier ein paar schoene Bildchen hochladen und diese dann mit gut gewaehlten Worten umschreiben, aber meine Speichermedien und der Computer Nr. 3 im Internetcafe wollen sich heute irgendwie nicht vertragen. Schade. Ein Bildchen aus dem Internet muss als unwuerdige Vertretung fuer meine schoenen Winterbilder vorerst ausreichen. Gestern war ich jedenfalls endlich im Iwolginsker Dazan, im Zentrum des Buddhismus in Russland, welches sich etwa 40 Kilometer ausserhalb des Stadtzentrums befindet. Ich hatte somit auch endlich einmal die Gelegenheit, etwas weiter aus der Stadt zu kommen. Denn ich kannte bisher fast nur das Stadtgebiet - im Winter fahren die Staedter nicht allzu gerne in die kalte sibirische Steppe.

Die Hinfahrt mit der von mir sonst nicht allzu geliebten Marschrutka war erstaunlich angenehm - sie sind wohl nur in der Stadt so muehsam und schaukelnd. Auf dem Land gibt es genuegend Platz und so verlaufen die Strassen abgesehen von gelegentlichen Richtungswechseln oft schnurgerade. In der Ferne bewunderte ich waehrend der Fahrt die schneebedeckte, nicht allzu hohe, aber trotzdem erhabene sibirische Bergwelt, welche gegen die Stadt hin in ein flaches sanftes Steppen- und Weidenland auslaeuft, wo selbst im Winter in der Naehe der Doerfer einige ausgemergelte Kuehe ihre Runden drehen. Grasen kann man diesen Prozess wohl nicht nennen, aber sie finden wohl trotzdem irgendetwas zu essen. Nach einer etwa 1 stuendigen Fahrt kamen wir dann schliesslich auf dem Gelaende des Klosters an, welches sich schon von weitem durch zahlreiche chinesisch anmutende Tempelbauten ankuendigte.

Urspruenglich waren wir hierher gekommen, um mit einem der Lamas, so heissen die buddhistischen Lehrmeister, zu sprechen, da meine Begleiterinnen einen Vortrag ueber den Buddhismus und Schamanismus halten sollten, wozu sie noch einige Fragen beantwortet haben wollten. Wir gingen also an den um Kaeufer buhlenden Souvenierverkaeuferinnen vorbei, drehten eine der vielen grossen Gebetsmuehlen und begaben uns auf die Suche nach einem Lama, welchen wir auch bald in seiner kleinen Wohnstube vorfanden. Er war sehr sympathisch und ging ausfuehrlich auf die Fragen der Studentinnen ein, nur als er am Schluss den Maedchen verbat, ihn zu fotografieren, blitzte seine hohe Geistlichkeit kurz durch. Danach spazierten wir ueber das weitlaeufige Klostergelaende, wobei wir zuerst annahmen, dass die am Eingang angeschlagene Fotografierbewilligungspflicht auch wirklich gelte und so gewissenhaft uns nach einer solchen Bewilligung erkundigen wollten. Die Frau am Eingang winkte jedoch ab und versicherte uns, das kuemmere niemanden. Russische Buerokratie geht also auch umgekehrt. Gut. Und die Fotos werden hier auch noch irgendwann gezeigt.

Zum Abschluss durfte dann ein Besuch am Souvenierstand doch nicht fehlen, und ich haette wohl den ganzen Stand aufkaufen muessen, wenn ich mich nicht nach kurzer Zeit wieder davon entfernt haette. Immer wieder wollten mir die Frauen ach so tolle Souveniers anbieten, die man UNBEDINGT mit nach Hause nehmen sollte. Touristen sind hier wohl auch eher Mangelware. Ich hielt mich jedoch zurueck und beliess es bei einigen Kleinigkeiten.

Und auf der Rueckfahrt konnte ich vorne auf dem Beifahrersitz der Marschrutka sitzen. Viel angenehmer undso. Von jetzt an will ich immer vorne sitzen! So kann man die Landschaft viel besser geniessen, und das tat ich dann auch. Teilweise sieht es ein bisschen aus wie im von mir so geliebten Nordschweden. Nur noch weniger Baeume und leider fast keine Seen. Trotzdem superschoen!

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